Rote Bete steht seit einigen Jahren im Fokus der Ernährungsforschung – besonders im Zusammenhang mit Herzgesundheit. Doch immer wieder taucht eine Sorge auf: Was ist eigentlich mit der Oxalsäure? Viele Menschen meiden die rote Knolle und andere wertvolle Gemüsesorten genau deswegen.
In diesem Beitrag erfährst du, was hinter dem Pflanzenstoff steckt, wann er tatsächlich relevant wird und wie du Rote Bete entspannt in deinen Alltag einbauen kannst.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
Oxalsäure ist ein natürlicher Pflanzenstoff, der in vielen Gemüsesorten, Nüssen und Kakao vorkommt
Für gesunde Menschen gilt Oxalat bei einer ausgewogenen Ernährung in der Regel als sicher
Rote Bete enthält im Vergleich nur mittlere Mengen Oxalsäure und liefert gleichzeitig Nitrat, Betalaine, Folsäure und Ballaststoffe
Durch Zubereitung, kalziumreiche Begleiter und Fermentation lässt sich der lösliche Oxalatgehalt deutlich reduzieren
Rote Bete im Fokus der Forschung
Rote Bete gehört zu den am intensivsten untersuchten Gemüsesorten der vergangenen Jahre. Das hat einen Grund: Die Knolle enthält von Natur aus eine ungewöhnliche Kombination an Pflanzenstoffen, die in dieser Form kaum in anderen Lebensmitteln vorkommt (1).
Im Zentrum des Interesses steht das natürliche Nitrat, das in Rote-Bete-Saft besonders konzentriert vorliegt. Daneben enthält die Wurzel Betalaine – jene kräftig roten Pflanzenfarbstoffe, die ihr die charakteristische Farbe verleihen. Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich seit Jahren mit den Effekten dieser Inhaltsstoffe im Körper, insbesondere im Zusammenhang mit Gefäßfunktion und Durchblutung (2).
Genau dieses Nährstoffprofil macht die Knolle für eine ausgewogene Ernährung vielversprechend und deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf das Thema Oxalsäure.
Was ist Oxalsäure?
Oxalsäure ist eine organische Säure, die viele Pflanzen ganz natürlich bilden. Sie reguliert dort den Mineralstoffhaushalt und schützt die Pflanze vor Fressfeinden. In unserer Ernährung findet sich Oxalsäure vor allem in Blattgemüse, Nüssen, Kakao und einigen Wurzelgemüsen.
Im menschlichen Körper verhält sich Oxalat überraschend unspektakulär. Im Darm bindet es sich bevorzugt an Calcium. Dabei entstehen unlösliche Verbindungen, die in der Regel über den Stuhl ausgeschieden werden. Nur ein kleiner Teil gelangt ins Blut, wird über die Nieren gefiltert und mit dem Urin wieder ausgeschieden (3).
Relevant wird Oxalat erst dann, wenn dauerhaft sehr hohe Mengen aufgenommen werden oder die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist. Die Europäische Gesellschaft für Urologie (EAU) sieht ab einer Oxalatausscheidung von über 40 mg pro Tag eine erhöhte Belastung (4). Für die Einschätzung im Einzelfall reichen einzelne Messwerte allerdings nicht aus – hier ist ärztliche Beratung sinnvoll.
Oxalsäure in Lebensmitteln: Ein Überblick
Die Mengen an Oxalsäure schwanken je nach Lebensmittel erheblich. Auch Sorte, Reifegrad und Zubereitung spielen eine Rolle (3). Die folgenden Werte dienen daher als grobe Orientierung:
| Lebensmittel | Oxalatgehalt (ca. mg/100 g) | Einordnung |
|---|---|---|
| Mangold | 600–900 | sehr hoch |
| Spinat (roh) | 600–750 | sehr hoch |
| Rhabarber | 400–600 | hoch |
| Kakaopulver | 500–700 | hoch |
| Mandeln | 400–470 | hoch |
| Rote Bete (roh) | 120–180 | mittel |
| Süßkartoffel | 50–150 | mittel |
| Sesam | 30–100 | niedrig–mittel |
| Brokkoli | 5–15 | niedrig |
| Weißkohl | 5–10 | niedrig |
Für wen Oxalsäure tatsächlich relevant ist
Für die meisten Menschen sind oxalathaltige Lebensmittel im Rahmen einer normalen Ernährung unproblematisch. In bestimmten Lebenssituationen kann es jedoch sinnvoll sein, die Aufnahme bewusster zu steuern.
Menschen mit Calciumoxalat-Nierensteinen ▼
Diese Steinart ist mit Abstand die häufigste Form von Nierensteinen. Eine angepasste Ernährung wird in Fachleitlinien als Teil der Rückfallprophylaxe empfohlen (4, 5).
Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion ▼
Arbeiten die Nieren nicht mehr mit voller Leistung, wird auch weniger Oxalat ausgeschieden. Es kann sich dann im Körper anreichern.
Menschen mit chronischen Verdauungserkrankungen ▼
Bei Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie kann der Darm Fett schlechter aufnehmen. Dadurch bleibt mehr Oxalat löslich und gelangt verstärkt ins Blut (3).
Wer sehr einseitig isst ▼
Tägliche rohe grüne Smoothies, große Mengen Spinat oder dauerhaft sehr hoch dosierte Vitamin-C-Präparate können die Oxalatbelastung deutlich erhöhen (3).
Schwangere und kleine Kinder ▼
Stark oxalatreiche Lebensmittel sollten hier nur in maßvollen Portionen auf dem Teller landen, damit die Aufnahme von Calciumund Eisen nicht beeinträchtigt wird.
Drei Grundregeln für einen entspannten Umgang
Statt einzelne Lebensmittel zu verbannen, empfehlen Fachgesellschaften heute einen anderen Ansatz. Sie setzen auf drei Maßnahmen, die direkt dort ansetzen, wo Oxalatprobleme tatsächlich entstehen – nämlich im Urin (4, 5).
1. Ausreichend trinken
Mindestens 2,5 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag verdünnen den Urin. Damit sinkt die Konzentration aller im Urin gelösten Substanzen (4).
2. Calcium zur Mahlzeit
Etwa 800 bis 1.200 mg Calcium täglich, idealerweise verteilt auf die Mahlzeiten, bindet Oxalat bereits im Darm. So gelangt weniger Oxalat ins Blut und in den Urin (5). Joghurt, Quark, Käse oder kalziumreiches Mineralwasser sind ideale Begleiter zu oxalathaltigen Gerichten.
3. Clever zubereiten statt vermeiden
Kochen, Blanchieren oder Fermentieren kann den löslichen Oxalatgehalt vieler Lebensmittel spürbar senken (6, 7, 8). Eine durchdachte Zubereitung ist meist wirkungsvoller als pauschale Verbote.
Warum Rote Bete trotzdem ihren Platz verdient
Eine umfangreiche wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fasst zusammen, was die Forschung in den vergangenen zehn Jahren zur Roten Bete erarbeitet hat. Das Ergebnis: Kaum ein anderes Wurzelgemüse vereint so viele wertvolle Pflanzenstoffe und ist gleichzeitig so umfassend untersucht.
Damit ist Rote Bete weit mehr als nur ein farbenfrohes Gemüse: Sie ist ein nährstoffreiches Lebensmittel, das in eine ausgewogene Ernährung gut hineinpasst.
| Inhaltsstoff | Hintergrund |
|---|---|
| Nitrat | Wird im Körper schrittweise zu Stickstoffmonoxid umgewandelt – ein Molekül, das in der Forschung im Zusammenhang mit Gefäßfunktion und Durchblutung intensiv untersucht wird (1, 2) |
| Betalaine | Die typisch roten Pflanzenfarbstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in dieser Form fast ausschließlich in Roter Bete vorkommen (1) |
| Betain | Eine natürliche Stickstoffverbindung, die im Stoffwechsel verschiedene Funktionen erfüllt |
Tipps für den Alltag: Ein oxalatbewusster Tag
Wie sich die drei Grundregeln im Alltag umsetzen lassen, zeigt dieser Beispieltag. Er kombiniert oxalathaltige Lebensmittel konsequent mit Calciumquellen und nutzt Zubereitungen, die den löslichen Oxalatgehalt reduzieren.
Morgens
Naturjoghurt mit Haferflocken, Heidelbeeren, Walnüssen und einem Teelöffel Leinsamen.
Vormittags
30 ml fermentiertes Rote-Bete-Konzentrat in einem großen Glas Wasser.
Mittags
Linsensuppe mit gegarter Roter Bete, Feta und Kürbiskernen.
Snack
Käsewürfel mit einem Apfel und ein Glas Wasser.
Abends
Ofen-Süßkartoffel mit Quark-Kräuter-Dip und kurz gegartem Brokkoli.
Über den Tag verteilt
2,5 bis 3 Liter Wasser oder ungesüßte Kräutertees.
Tagesbilanz
Dieser Tag liefert rund 900 bis 1.100 mg Calcium und unter 200 mg Oxalat – ein Bereich, der in Fachleitlinien als sinnvoll eingeordnet wird (4, 5).
Unsere Empfehlung
Fazit
Oxalsäure ist kein Grund, Rote Bete oder anderes wertvolles Gemüse von deinem Speiseplan zu streichen. Sie ist ein natürlicher Pflanzenstoff, der für die allermeisten Menschen unproblematisch bleibt, vorausgesetzt, drei einfache Grundregeln stimmen: ausreichend trinken, Calcium zu den Mahlzeiten und clever zubereiten.
Für alle, die es besonders unkompliziert mögen, sind fermentierte Rote-Bete-Konzentrate eine elegante Alternative: konzentrierte Inhaltsstoffe bei reduzierter Oxalatbelastung – ideal für den entspannten Alltag.
Was ist Oxalsäure?
Oxalsäure ist ein natürlicher Pflanzenstoff, der in vielen Lebensmitteln vorkommt. Im Körper kann er sich im Darm an Mineralstoffe wie Calcium binden und wird in der Regel wieder ausgeschieden.
Ist Oxalsäure in Lebensmitteln grundsätzlich problematisch?
Für gesunde Menschen ist Oxalsäure bei einer ausgewogenen Ernährung in üblichen Mengen in der Regel unproblematisch. Entscheidend ist die Gesamternährung und nicht ein einzelnes Lebensmittel.
Wie viel Oxalsäure enthält Rote Bete?
Rote Bete enthält mittlere Mengen an Oxalsäure im Vergleich zu anderen pflanzlichen Lebensmitteln. Sie liegt deutlich unter stark oxalathaltigen Sorten wie Spinat oder Mangold.
Warum wird Rote Bete trotzdem als wertvolles Lebensmittel gesehen?
Rote Bete liefert verschiedene Nährstoffe wie Folat und Kalium. Folat trägt zu einer normalen Blutbildung bei, Kalium zu einer normalen Muskelfunktion. Zusätzlich enthält die Knolle Ballaststoffe, die Teil einer ausgewogenen Ernährung sind
Wer sollte auf Oxalsäure besonders achten?
Menschen mit Calciumoxalat-Nierensteinen oder eingeschränkter Nierenfunktion sollten ihre Oxalataufnahme individuell ärztlich abklären. Auch bei bestimmten Darmerkrankungen kann eine Anpassung sinnvoll sein.
Wie kann man Oxalsäure in Lebensmitteln reduzieren?
Durch Kochen, Blanchieren oder Fermentation kann der lösliche Oxalatgehalt in vielen Lebensmitteln reduziert werden. Ein Teil geht dabei ins Kochwasser über oder wird abgebaut.
Ist Rote Bete trotz Oxalsäure gut in den Alltag integrierbar?
Ja, Rote Bete kann im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung problemlos integriert werden. Wichtig sind eine ausgewogene Gesamternährung und eine sinnvolle Zubereitung.
Referenzen zum Nachlesen
- Mishra A, et al. A decade of beetroot (Beta vulgaris) research 2015–2025: Phytoconstituents, mechanisms, preclinical and clinical insights. Food Chemistry Advances 2025. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2667031325002167
- Domínguez R, et al. Beetroot Juice Supplementation as a Healthy Aging Strategy Through Improving Physical Performance and Cognitive Functions: A Systematic Review. Nutrients 2025;17(24):3954. Verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12735994/
- Crivelli JJ, Mitchell T, Knight J, Wood KD, Assimos DG, Holmes RP, Fargue S. Contribution of Dietary Oxalate and Oxalate Precursors to Urinary Oxalate Excretion. Nutrients 2020;13(1):62. doi: 10.3390/nu13010062
- Skolarikos A, Neisius A, Petřík A, et al. EAU Guidelines on Urolithiasis – Metabolic Evaluation and Recurrence Prevention. European Association of Urology, Edition 2025. Verfügbar unter: https://uroweb.org/guidelines/urolithiasis/chapter/metabolic-evaluation-and-recurrence-prevention
- Ribeiro M, et al. Efficacy of dietary interventions targeting calcium and oxalate intake in the prevention of calcium oxalate stones: An integrative review. Enferm Clin (Engl Ed) 2025. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2173578625001623
- Chai W, Liebman M. Effect of different cooking methods on vegetable oxalate content. J Agric Food Chem 2005;53(8):3027–3030. doi: 10.1021/jf048128d
- Singh A, et al. Fermentation as a Modulator of Oxalate Content in Oxalate-Rich Foods. Int J For Multidiscip Res 2025. Verfügbar unter: https://www.ijfmr.com/papers/2025/5/46861.pdf
- Gupta L, Ferguson L, Savage GP. Effect of Kimchi Fermentation on Oxalate Levels in Silver Beet (Beta vulgaris var. cicla). Foods 2014;3(2):269–278. doi: 10.3390/foods3020269



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