Im Regal stehen zehn Flaschen Olivenöl nebeneinander, alle werben mit "extra vergine", "kaltgepresst" oder "erste Kaltpressung". Trotzdem unterscheiden sich Geschmack und Qualität teils erheblich. Wer gutes Olivenöl erkennen möchte, braucht deshalb mehr als das Etikett: Es lohnt sich, sensorische Merkmale, Herstellungsdetails und Verpackung gemeinsam zu betrachten.
Gutes Olivenöl zeichnet sich durch eine sensorisch einwandfreie, fruchtige Note aus, durch frische und schonend verarbeitete Oliven, einen nachvollziehbaren Erntezeitpunkt sowie eine Verpackung, die vor Licht schützt. Bitterkeit und Schärfe sind dabei häufig ein gutes Zeichen, keine Mängel. Farbe dagegen sagt so gut wie nichts über die Qualität aus. Die folgenden Abschnitte erklären jedes dieser Kriterien im Detail.
Inhaltsverzeichnis
Gutes Olivenöl ist frei von sensorischen Fehlern wie ranzig, stichig oder weinig-essigsauer und weist eine deutliche, positive Fruchtigkeit auf.
Bitterkeit und Schärfe entstehen durch Polyphenole aus frischen, oft früh geernteten Oliven und gelten fachlich als Qualitätsmerkmal, nicht als Mangel.
Herkunft und Olivensorte prägen den Charakter des Öls, sind aber allein kein Qualitätsbeweis. Entscheidend sind Zustand der Früchte und Verarbeitung.
Woran erkennt man gutes Olivenöl?
Gutes Olivenöl erkennst du an einem fruchtigen, sauberen Geschmack ohne Fehlnoten. Weitere Hinweise sind frische und schonend verarbeitete Oliven, ein angegebenes Ernte- oder Abfülldatum, eine lichtgeschützte Verpackung und ein hoher Polyphenolgehalt.
Diese Kriterien lassen sich in vier Ebenen unterteilen, die im weiteren Verlauf des Textes einzeln erklärt werden:
- objektive, messbare Qualitätskriterien wie Säuregehalt, Peroxidzahl und Polyphenolgehalt
- sensorische Merkmale wie Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe
- Angaben auf dem Etikett wie Erntedatum, Sorte und Herkunft
- sowie Marketing-Begriffe, die für sich genommen wenig über die tatsächliche Qualität aussagen
Ein hochwertiges natives Olivenöl extra muss laut EU-Vermarktungsnormen unter anderem einen Säuregehalt von höchstens 0,8 Prozent aufweisen und sensorisch frei von Fehlern sein (1, 2). Diese rechtliche Mindestanforderung ist der Ausgangspunkt, sagt aber noch nichts darüber aus, ob ein Öl nur knapp oder deutlich darüber liegt. Genau hier setzen die folgenden Kriterien an.
Frische und Qualität der Oliven
Die Qualität eines Olivenöls entscheidet sich zu einem großen Teil schon vor der Pressung, nämlich beim Zustand der Früchte. Oliven beginnen unmittelbar nach der Ernte zu oxidieren, ähnlich wie aufgeschnittenes Obst. Je länger die Zeit zwischen Ernte und Verarbeitung, desto mehr Fehlaromen können entstehen.
Beschädigte, überreife oder am Boden liegend gesammelte Früchte begünstigen mikrobielle Prozesse, die sich später als sensorische Fehler im Öl bemerkbar machen, etwa als muffig-feuchter oder essigsaurer Ton. Renommierte Erzeuger verarbeiten Oliven deshalb meist innerhalb weniger Stunden nach der Ernte, handverlesen oder maschinell von Ästen gepflückt statt vom Boden aufgesammelt.
Für dich als Käufer ist der Zustand der Oliven selten direkt sichtbar. Ein Hinweis ist die Sensorik des fertigen Öls: Frische, sauber verarbeitete Früchte ergeben ein Öl mit klarer Fruchtigkeit und ohne die im nächsten Abschnitt beschriebenen Fehltöne.
Fruchtigkeit: das zentrale positive Qualitätsmerkmal
Fruchtigkeit ist neben Bitterkeit und Schärfe eines der drei offiziellen positiven Attribute, die bei der sensorischen Beurteilung nativer Olivenöle von geschulten Verkostungspanels bewertet werden. Gemeint sind olfaktorische Eindrücke, die für gesunde und frische Oliven charakteristisch sind. Sie werden sowohl direkt über die Nase als auch retronasal, also beim Verkosten und Schlucken, wahrgenommen.
Je nach Olivensorte, Reifegrad und Ernte können ganz unterschiedliche Aromen entstehen, zum Beispiel:
- grünes Gras
- Tomatenblatt
- Artischocke
- grüne Früchte
- reife Früchte
Dabei wird grundsätzlich zwischen zwei Formen unterschieden:
- Grüne Fruchtigkeit: erinnert an grüne Früchte und entsteht typischerweise bei gesunden, frischen und eher grünen Oliven.
- Reife Fruchtigkeit: erinnert an reife Früchte und weist auf entsprechend reife, gesunde Oliven hin (3, 4).
Für natives Olivenöl extra ist eine wahrnehmbare Fruchtigkeit sogar eine Voraussetzung für die Einstufung in diese Güteklasse. Nach der geltenden EU-Regelung muss der Median der Fruchtigkeit über 0 liegen; gleichzeitig darf kein sensorisch wahrnehmbarer Fehler vorliegen. Erfüllt ein Öl diese sensorischen Anforderungen nicht, kann es trotz unauffälliger chemischer Analyse nicht als natives Olivenöl extra eingestuft werden.
Ist Bitterkeit bei Olivenöl ein gutes Zeichen?
Ja, in der Regel schon. Bitterkeit entsteht durch bestimmte Polyphenole, vor allem durch Oleuropein und dessen Abbauprodukte, die in jungen, meist grün geernteten Oliven in höherer Konzentration vorkommen (5, 6). Ein sensorisch spürbar bitteres Olivenöl deutet deshalb häufig auf frische, phenolreiche Oliven hin, nicht auf einen Fehler.
Viele Verbraucher kennen Bitterkeit vor allem als unerwünschte Eigenschaft, etwa bei verdorbenen Lebensmitteln, und übertragen dieses Empfinden fälschlich auf Olivenöl. Bei nativem Olivenöl gilt Bitterkeit dagegen als eines der drei offiziellen positiven Sensorikattribute und wird von geschulten Verkostungspanels ausdrücklich als Qualitätsmerkmal bewertet, nicht als Defekt (3).
Warum ist gutes Olivenöl oft scharf?
Die Schärfe eines Olivenöls, die sich vor allem im Hals bemerkbar macht, ist kein klassischer Geschmack, sondern ein durch bestimmte Pflanzenstoffe ausgelöster Schärfereiz. Er wird durch bestimmte phenolische Verbindungen ausgelöst, insbesondere durch Oleocanthal, aber auch durch weitere Polyphenole.
Das typische Brennen kann an den Schärfereiz von Chili erinnern. Besonders ausgeprägt ist es häufig bei frisch produzierten Ölen aus früh geernteten, noch grünen Oliven, die reich an phenolischen Verbindungen sind.
Wovon hängen Bitterkeit und Schärfe ab?
Wie intensiv ein Olivenöl schmeckt und sich im Mund anfühlt, wird unter anderem beeinflusst durch:
- Olivensorte
- Reifegrad der Oliven bei der Ernte
- Zeitpunkt der Ernte
- Verarbeitung der Oliven
- Zusammensetzung und Gehalt verschiedener phenolischer Verbindungen
Dabei gilt: Ein höherer Gehalt an phenolischen Verbindungen geht häufig mit stärkerer Bitterkeit und Schärfe einher. Die einzelnen Phenole tragen jedoch unterschiedlich zu den beiden Eigenschaften bei.
Sensorische Fehler: Was gutes Olivenöl nicht haben darf
Positive Aromen allein machen noch kein hochwertiges Olivenöl aus. Damit ein Öl als natives Olivenöl extra eingestuft werden kann, muss es auch frei von wahrnehmbaren sensorischen Fehlern sein. Das wird in einer standardisierten Verkostung durch ein geschultes Panel geprüft.
Zu den wichtigsten sensorischen Fehlern gehören:
- Ranzig: Entsteht durch fortgeschrittene Oxidation, etwa durch falsche Lagerung oder eine zu lange Lagerdauer. Der Geruch kann an alte Nüsse oder ranzige Butter erinnern.
- Stichig: Kann entstehen, wenn Oliven vor der Verarbeitung zu lange gelagert werden und dabei unerwünschte Gärungsprozesse einsetzen.
- Weinig-essigsauer: Entsteht durch unerwünschte Gärungsprozesse und erinnert in der Wahrnehmung an Wein oder Essig.
- Schimmelig-feucht: Entwickelt sich, wenn Oliven unter feuchten Bedingungen gelagert werden und sich Schimmel bildet.
- Metallisch: Kann entstehen, wenn das Öl während der Verarbeitung oder Lagerung mit ungeeigneten Metalloberflächen in Kontakt kommt.
Wie wichtig ist der Erntezeitpunkt?
Der Erntezeitpunkt zählt zu den Faktoren mit dem größten Einfluss auf Geschmack und Inhaltsstoffe. Früh geerntete, noch grüne Oliven ergeben häufig ein Öl mit deutlich mehr Polyphenolen als später geerntete. Mit fortschreitender Reife kann der Polyphenolgehalt in Studien um bis zu 50 bis 80 Prozent sinken (9–11).
Das erklärt auch die Unterschiede im Geschmack: Früh geerntete Oliven führen meist zu intensiveren, bittereren und schärferen Ölen mit ausgeprägten grün-fruchtigen Aromen. Später geerntete Oliven ergeben dagegen eher mildere Öle, wobei sich aus den Oliven mehr Öl gewinnen lässt (9, 12).
Ob du ein intensives, früh geerntetes oder ein milderes, später geerntetes Öl bevorzugst, hängt letztlich von deinem Geschmack und dem Verwendungszweck ab. Ein Erntedatum auf dem Etikett bleibt dennoch ein Pluspunkt: Es gibt dir eine bessere Orientierung darüber, wie frisch das Öl ist. Fehlt diese Angabe vollständig, lässt sich die tatsächliche Frische des Öls deutlich schwerer einschätzen (13).
Einfluss der Verarbeitung
Zwischen Ernte und fertigem Öl bestimmt die Verarbeitung mit darüber, wie viel von der ursprünglichen Qualität der Oliven im Öl ankommt:
- Zeit zwischen Ernte und Pressung: Je schneller Oliven nach der Ernte verarbeitet werden, desto weniger Zeit bleibt für unerwünschte Fermentations- oder Oxidationsprozesse. Viele hochwertige Erzeuger pressen innerhalb weniger Stunden nach der Ernte.
- Temperatur: Natives Olivenöl wird rein mechanisch gewonnen, ohne Lösungsmittel und ohne Erhitzung über etwa 27 Grad Celsius. Diese als "kalt extrahiert" oder "kaltgepresst" bezeichnete Verarbeitung schont hitzeempfindliche Aromastoffe und Polyphenole (14).
- Schutz vor Sauerstoff: Moderne Verarbeitungsanlagen arbeiten möglichst unter Ausschluss von Sauerstoff, etwa durch inertisierte Tanks, um Oxidation während und nach der Extraktion zu verringern.
Welche Rolle spielen Polyphenole?
Polyphenole sind ein Grund dafür, beim Olivenöl nicht nur auf die Güteklasse, sondern auch auf den Polyphenolgehalt zu schauen. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe natürlicher Pflanzenstoffe. Zu den wichtigsten phenolischen Verbindungen im Olivenöl gehören unter anderem Hydroxytyrosol, Tyrosol und Oleocanthal sowie verschiedene Oleuropein-Derivate.
Polyphenole haben dabei mehrere Eigenschaften, die für Olivenöl interessant sind: Sie tragen zur Bitterkeit und Schärfe bei und können die Oxidationsstabilität des Öls unterstützen. Gleichzeitig gibt es Hinweise aus Humanstudien, dass ein höherer Gehalt an Olivenöl-Polyphenolen mit günstigen Veränderungen bestimmter Marker für oxidativen Stress und die Herz-Kreislauf-Gesundheit verbunden sein kann.
Warum ist der Polyphenolgehalt wichtig?
Der Gehalt kann von Olivenöl zu Olivenöl deutlich schwanken. Die EUROLIVE-Studie mit 200 gesunden Männern zeigte: Je höher der Polyphenolgehalt des verwendeten Olivenöls, desto stärker nahm die Oxidation des LDL-Cholesterins ab. Bei sehr polyphenolarmem Öl war dagegen praktisch kein Effekt messbar (23).
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2019 bestätigt, dass polyphenolreiches natives Olivenöl extra im Vergleich zu polyphenolarmem Öl mit günstigeren Werten bei mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren verbunden war (24).
Wie viel Polyphenole enthält gutes Olivenöl?
Der Polyphenolgehalt lässt sich mit einer anerkannten IOC-Methode messen (15).
Als grobe Orientierung:
- 50–150 mg/kg: häufig bei einfacher Supermarktware
- 200–400 mg/kg: gute native Olivenöle extra
- über 400 mg/kg: besonders polyphenolreiche Öle
Was sagt der EU-Gesundheitsclaim?
Für Olivenöl ist folgender Claim zugelassen:
„Polyphenole aus Olivenöl tragen zum Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress bei.“
Voraussetzung sind mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und seine Derivate pro 20 g Öl (16, 17).
Verpackung und Lichtschutz
Licht ist einer der Hauptgegner von Olivenöl: UV- und sichtbares Licht beschleunigen den Abbau von Chlorophyll, Carotinoiden und Polyphenolen und begünstigen Oxidationsprozesse, die zu ranzigen Fehltönen führen (18, 19). Öl in klarem Glas verliert unter typischer Beleuchtung deutlich schneller an Antioxidantien als Öl in dunklem Glas oder undurchsichtigen Behältern (18, 20).
Hochwertige Olivenöle werden deshalb meist in dunklem Glas, Dosen oder lichtundurchlässigen Bag-in-Box-Verpackungen abgefüllt. Eine helle, klare Flasche ist zwar kein direkter Qualitätsmangel des Inhalts, aber ein Warnsignal für Lagerung und Haltbarkeit, besonders im hell beleuchteten Supermarktregal.
Auch nach dem Kauf bleibt Lichtschutz relevant: Olivenöl sollte kühl (idealerweise 16 bis 18 Grad Celsius), dunkel und mit möglichst wenig Luftkontakt gelagert werden, am besten in der Originalflasche mit geschlossenem Verschluss (19).
Ist die Farbe ein Qualitätsmerkmal?
Nein. Die Farbe eines Olivenöls, von intensivem Grün bis zu goldenem Gelb, sagt für sich genommen nichts über die Qualität aus. Sie hängt vor allem vom Verhältnis zwischen Chlorophyll und Carotinoiden ab, das wiederum stark von Olivensorte und Erntezeitpunkt beeinflusst wird (21, 22).
Ein besonders intensives Grün wird von vielen Verbrauchern fälschlich mit "besonders hochwertig" gleichgesetzt: Der Internationale Olivenrat legt jedoch keine festen Grenzwerte für Chlorophyll oder Carotinoide bei nativem Olivenöl extra fest, und aus der Farbe lässt sich weder auf Geschmack noch auf Polyphenolgehalt oder Fehlerfreiheit schließen (22).
Deshalb bewerten professionelle Olivenöl-Verkoster ihre Proben aus speziellen blauen oder dunkel getönten Gläsern, die den Farbeindruck bewusst ausblenden, damit ausschließlich Geruch und Geschmack in die Bewertung einfließen (3, 22). Für dich als Käufer heißt das: Lass dich von einer besonders kräftigen Farbe im Regal nicht als alleinigem Argument überzeugen.
Welche Qualitätsmerkmale sind nur bedingt aussagekräftig?
Nicht jede Angabe auf dem Etikett ist ein verlässlicher Hinweis auf die tatsächliche Qualität eines Olivenöls. Einige Begriffe klingen hochwertig, haben für sich allein jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft.
- „Kaltgepresst“ oder „erste Kaltpressung“: Bei nativem Olivenöl ist eine Verarbeitung bei maximal 27 °C bereits gesetzlich vorgesehen. Die Bezeichnung allein unterscheidet daher kein besonders hochwertiges Öl von anderen nativen Olivenölen (14).
- Eine besonders kräftige grüne Farbe: Grün ist kein Qualitätsbeweis. Die Farbe hängt vor allem von der Olivensorte und dem Erntezeitpunkt ab und lässt deshalb nur begrenzt Rückschlüsse auf die Qualität zu.
- Allgemeine Herkunftsversprechen: Aussagen wie „aus den besten Anbaugebieten der Welt“ sind wenig konkret. Deutlich aussagekräftiger sind nachvollziehbare Angaben zu Region, Erzeuger und Erntejahr.
- Auszeichnungen und Medaillen: Sie können ein Hinweis auf ein sensorisch überzeugendes Öl sein. Da Wettbewerbe mit unterschiedlichen Kriterien und Jurys arbeiten, sollten sie jedoch immer nur als ein Anhaltspunkt betrachtet werden.
- Der Preis: Ein höherer Preis kann mit einer besseren Qualität einhergehen, ist aber keine Garantie. Ebenso bedeutet ein günstiger Preis nicht automatisch, dass ein Olivenöl minderwertig ist.
Diese Angaben sind nicht grundsätzlich unwichtig, sie sollten jedoch nur nicht isoliert betrachtet werden. Ein aussagekräftigeres Gesamtbild ergibt sich aus mehreren Faktoren, insbesondere Sensorik, Erntejahr, konkreter Herkunft, Verpackung und Lagerung.
Tipps: Gutes Olivenöl einkaufen
Gutes Olivenöl lässt sich nicht an einem einzigen Merkmal erkennen. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Hinweise. Die folgende Übersicht zeigt, worauf du beim Einkauf achten kannst und welche Angaben du nicht überbewerten solltest.
| Darauf kannst du achten | Darauf solltest du dich nicht allein verlassen |
|---|---|
| Fruchtiger, fehlerfreier Geruch und Geschmack | Die Farbe des Öls |
| Bitterkeit und Schärfe als typische Merkmale eines frischen Öls | Allgemeine Herkunftsversprechen |
| Angegebenes Ernte- oder Abfülldatum | Begriffe wie „kaltgepresst“ – bei nativem Olivenöl gesetzlich geregelt |
| Lichtgeschützte Verpackung, z. B. dunkles Glas, Dose oder Bag-in-Box | Der Preis als einziges Qualitätskriterium |
| Nachvollziehbare Herkunft mit Angaben zu Region und Erzeuger | Einzelne Medaillen oder Auszeichnungen |
| Angegebener Polyphenolgehalt, sofern analytisch bestimmt | Der persönliche Geschmack als alleiniger Qualitätsbeweis |
Die einzelnen Kriterien ergänzen sich. Ein Olivenöl mit nachvollziehbarer Herkunft, aktuellem Ernte- oder Abfülldatum, lichtgeschützter Verpackung und sauberer, fruchtiger Sensorik bietet deutlich mehr Anhaltspunkte für Qualität als ein Öl, das nur bei einem einzelnen Merkmal überzeugt.
Fazit
Gutes Olivenöl lässt sich nicht an einem einzelnen Merkmal festmachen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus frischen, schonend verarbeiteten Oliven, einer fehlerfreien und fruchtigen Sensorik, einem nachvollziehbaren Erntezeitpunkt und einer lichtgeschützten Verpackung. Auch ein hoher Polyphenolgehalt kann ein wertvoller Hinweis sein, insbesondere, wenn er analytisch bestimmt und angegeben wird.
Bitterkeit und Schärfe sprechen dabei häufig für ein frisches, hochwertiges Öl und nicht dagegen. Farbe, allgemeine Werbeversprechen und der Begriff „kaltgepresst“ sagen hingegen für sich allein wenig über die tatsächliche Qualität aus.
Unser Experte
Woran erkennt man ein gutes Olivenöl?
An einer sensorisch fehlerfreien, fruchtigen Note, frischen und schnell verarbeiteten Oliven, einem angegebenen Erntedatum und einer lichtgeschützten Verpackung. Ergänzend kann ein analytisch bestimmter Polyphenolgehalt Aufschluss geben.
Wie schmeckt gutes Olivenöl?
Fruchtig nach grünem Gras, Tomatenblatt, Artischocke oder reifen Oliven, häufig mit spürbarer Bitterkeit und einer leichten bis deutlichen Schärfe im Rachen. Fehltöne wie ranzig, muffig oder essigsauer dürfen dagegen nicht vorhanden sein.
Ist bitteres Olivenöl besser?
Bitterkeit deutet meist auf einen höheren Polyphenolgehalt und frische, oft früh geerntete Oliven hin und gilt fachlich als positives Sensorikattribut. Ein mildes Öl ist deshalb nicht automatisch minderwertig, aber ein spürbar bitteres Öl ist in der Regel kein Mangel.
Welche Farbe sollte gutes Olivenöl haben?
Es gibt keine "richtige" Farbe. Sowohl kräftig grüne als auch goldgelbe Öle können hochwertig sein, die Farbe hängt vor allem von Olivensorte und Erntezeitpunkt ab. Fachleute verkosten Olivenöl deshalb aus farbverdeckenden Gläsern.
Was ist das beste Olivenöl?
Es gibt nicht das eine beste Olivenöl für alle. Sehr gutes Olivenöl erfüllt die sensorischen und rechtlichen Kriterien für natives Olivenöl extra, welche Sorte, Herkunft und Intensität für dich persönlich am besten passt, ist zusätzlich Geschmackssache.
Ist teures Olivenöl automatisch gutes Olivenöl?
Nicht automatisch. Ein höherer Preis korreliert häufig mit sorgfältigerer Ernte und Verarbeitung, ist aber kein Garant. Die in diesem Ratgeber beschriebenen Kriterien liefern eine verlässlichere Einschätzung als der Preis allein.
Referenzen zum Nachlesen
- Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013 über eine gemeinsame Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Amtsblatt der Europäischen Union L 347, 20.12.2013.
- Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104 der Kommission vom 29. Juli 2022 zur Ergänzung der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 hinsichtlich der Vermarktungsnormen für Olivenöl. Amtsblatt der Europäischen Union L 284, 4.11.2022.
- International Olive Council. Sensory Analysis of Olive Oil: Method for the Organoleptic Assessment of Virgin Olive Oil. COI/T.20/Doc. No 15/Rev. 11, Juni 2024.
- International Olive Council. Guide for the Selection, Training and Quality Control of Olive Oil Tasters. COI/T.20/Doc. No 14. Sowie: Glossary of terms characteristic of virgin olive oils, COI/T.20/Doc. No 22, 2005.
- Reboredo-Rodríguez P, González-Barreiro C, Cancho-Grande B, Simal-Gándara J. Characterization of Phenolic Compounds and Their Contribution to Sensory Properties of Olive Oil. Molecules 2015; verfügbar über PMC6600435.
- García-Rodríguez R, Romero-Segura C, Sanz C, Pérez AG. Phenolic Metabolism Explains Bitterness and Pungency of Extra Virgin Olive Oils. Foods/Antioxidants, PMC12071655.
- Beauchamp GK, Keast RSJ, Morel D, et al. Ibuprofen-like activity in extra-virgin olive oil (Oleocanthal). Nature 2005; 437:45-46.
- International Olive Council. Trade Standard Applying to Olive Oils and Olive-Pomace Oils. COI/T.15/NC No 3/Rev. 22, 2024.
- Studien zu Erntezeitpunkt und Phenolgehalt, u. a. European Journal of Lipid Science and Technology 2025 (Yilmaz et al., Early vs. Normal Harvest Olive Oils) sowie Agriculture 2026, 16(5):579 (Cultivar and Harvest Timing).
- Maturity impact on physicochemical composition and polyphenol properties of extra virgin olive oils (Manzanilla, Arbequina, Koroneiki). PMC10494621.
- International Olive Council. Determination of biophenols in olive oils by HPLC. COI/T.20/Doc. No 29, 2009.
- Chemesthetic Perception in Extra Virgin Olive Oil and Olive Ripening Stage: A Sensory Perspective. PMC12896914.
- International Olive Council. Trade Standard Applying to Olive Oils and Olive-Pomace Oils (Angaben zu Erntejahr/Abfüllung als freiwillige, aber empfohlene Kennzeichnung), COI/T.15/NC No 3/Rev. 22.
- Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104, Anhang II (Definitionen "kalt extrahiert"/"kalt gepresst", Verarbeitungstemperatur max. 27 °C).
- International Olive Council. Determination of biophenols in olive oils by HPLC. COI/T.20/Doc. No 29, 2009.
- Europäische Kommission. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. Amtsblatt der Europäischen Union L 136/1, 25.05.2012.
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to polyphenols in olive and protection of LDL particles from oxidative damage (ID 1333, 1638, 1639, 1696, 2865) u. a. EFSA Journal 2011; 9(4):2033. doi:10.2903/j.efsa.2011.2033
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- Effect of selected storage conditions and packaging materials on olive oil quality (Übersichtsstudie, u. a. zu Lichteinfluss auf Tocopherol-, Carotinoid- und Chlorophyllgehalt).
- UC Food Quality / UC Davis Olive Center. Olive Oil Packaging: Empfehlungen zu Lagerung und Verpackung.
- Quality retention of extra virgin olive oil (Koroneiki) packaged in bag-in-box vs. dark glass bottles under long-term storage. ScienceDirect, LWT/Food Research.
- Multiomics Approach To Decipher the Origin of Chlorophyll Content in Virgin Olive Oil. PMC8972264.
- International Olive Council. Sensory Analysis of Olive Oil: Method for the Organoleptic Assessment of Virgin Olive Oil (Verwendung farbverdeckender Verkostungsgläser). COI/T.20/Doc. No 15/Rev. 11, Juni 2024.
- Covas MI, Nyyssönen K, Poulsen HE, et al.; EUROLIVE Study Group. The effect of polyphenols in olive oil on heart disease risk factors: a randomized trial. Ann Intern Med. 2006;145(5):333-341. doi:10.7326/0003-4819-145-5-200609050-00006
- George ES, Marshall S, Mayr HL, Trakman GL, Tatucu-Babet OA, Lassemillante ACM, et al. The effect of high-polyphenol extra virgin olive oil on cardiovascular risk factors: a systematic review and meta-analysis. Crit Rev Food Sci Nutr. 2019;59(17):2772-2795. doi:10.1080/10408398.2018.1470491



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