Kaum ein Faktor beeinflusst die Leistung auf dem Rad so direkt wie die Ernährung und kaum einer wird so konsequent vernachlässigt. Neue Laufräder, eine optimierte Sitzposition, das leichtere Trikot: Das alles kostet Zeit und Geld. Die Ernährung dagegen lässt sich oft mit wenigen Anpassungen deutlich verbessern, ohne dass es großen Aufwand braucht.
In diesem Ratgeber erfährst du, was in jeder Phase des Trainings ernährungstechnisch zählt: vor der Fahrt, während der Belastung und danach. Du bekommst konkrete Empfehlungen, die du direkt umsetzen kannst und du erfährst, welche zwei Lebensmittel Profisportler schon seit Jahren gezielt einsetzen, um Leistung und Erholung zu verbessern.
Das Wichtigste in Kürze
Eine strukturierte Ernährung im Radsport ist entscheidend für konstante Leistung.
Vor der Belastung sollten die Glykogenspeicher gezielt gefüllt werden, um frühzeitige Ermüdung und Leistungseinbrüche zu vermeiden.
Während der Fahrt ist eine kontinuierliche Kohlenhydratzufuhr wichtig, um die Energie stabil zu halten und den „Hungerast“ zu verhindern.
Im Profisport beliebt: Rote-Bete- und Sauerkirsch-Saftkonzentrat werden gezielt zur Unterstützung von Leistung und Regeneration eingesetzt.
Phase 1: Vorbereitung
Dein Stoffwechsel nutzt primär zwei Energiequellen: Fett und Kohlenhydrate. Für die Ernährung im Radsport ist dabei entscheidend, dass Fett zwar nahezu unbegrenzt verfügbar ist, jedoch bei höheren Intensitäten zu langsam bereitgestellt wird.
Bei intensiver Belastung schaltet dein Körper fast vollständig auf Kohlenhydrate um, weil nur sie schnell genug liefern. Gespeichert werden Kohlenhydrate als Glykogen in Muskeln und Leber und dieser Vorrat reicht bei intensiver Fahrt ungefähr 90 bis 120 Minuten. Das bedeutet: Wer mit halb leeren Speichern startet, läuft früher in den Hungerast: Die Beine werden plötzlich schwer und das Tempo bricht ein.
So füllst du deine Kohlenhydrat-Speicher vor der Fahrt
- Am Vorabend: Sorge für eine kohlenhydratreiche Mahlzeit mit Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Brot. Kein extremes Carbo-Loading nötig, aber die Speicher sollten gut gefüllt sein. Als Orientierung kannst du etwa 5–8 g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht anstreben, idealerweise über den Tag verteilt.
- 2–3 Stunden vor dem Start: Leicht verdaulich, kohlenhydratreich, fettarm, idealerweise 1–4 g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht. Haferflocken mit Banane, Weißbrot mit Honig oder gekochter Reis funktionieren gut. Fettreiche Mahlzeiten zu diesem Zeitpunkt verlangsamen die Magenentleerung und können die Leistung beeinträchtigen.
- An normalen Trainingstagen: Plane zu den meisten Mahlzeiten eine Kohlenhydratquelle ein, etwa Haferflocken, Brot, Reis, Kartoffeln oder Obst, um deine Energiespeicher regelmäßig aufzufüllen. Für regelmäßig Trainierende sind häufig etwa 3–6 g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag ein sinnvoller Orientierungswert.
Phase 2: Während der Fahrt
Ab etwa 90 Minuten Fahrzeit reichen die körpereigenen Kohlenhydratspeicher allein nicht mehr aus. Wer Leistung und Tempo aufrechterhalten möchte, sollte daher regelmäßig Kohlenhydrate zuführen, statt erst auf Hunger oder einen Leistungseinbruch zu warten. Für die meisten Hobbyfahrer sind etwa 60–90 g Kohlenhydrate pro Stunde ein sinnvoller Zielbereich. Diese Menge lässt sich beispielsweise über Sportgetränke, Gels, Riegel oder eine Kombination daraus erreichen.
Besonders effektiv sind Produkte, die Glukose und Fruktose kombinieren. Beide Zuckerarten nutzen unterschiedliche Transportwege im Darm und können deshalb gleichzeitig aufgenommen werden. Dadurch steigt die Menge an Kohlenhydraten, die dem Körper pro Stunde zur Verfügung steht.
Bei den Profis der Tour de France werden heute teilweise sogar bis zu 120 g Kohlenhydrate pro Stunde aufgenommen. Solch hohe Mengen erfordern jedoch ein gezieltes Training des Verdauungssystems und sind für die meisten Freizeitsportler nicht notwendig.
Für die optimale Versorgung im Radsport wähle Gels, Riegel oder Getränkepulver, die sowohl Glukose als auch Fruktose enthalten, viele Produkte sind mit einem 2:1-Verhältnis gekennzeichnet. Verteile die Zufuhr auf kleine Portionen alle 15 bis 20 Minuten statt auf wenige große Schlucke; das entlastet den Magen und hält die Versorgung konstant.
Phase 3: Regeneration
Was nach einer intensiven Einheit im Körper passiert, ist mindestens genauso komplex wie die Belastung selbst. Eine gezielte Ernährung im Radsport nach der Belastung bestimmt maßgeblich, wie schnell der Körper wieder leistungsfähig ist. Glykogenspeicher müssen aufgefüllt, Muskelproteine repariert, Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzt werden und das alles gleichzeitig.
Wer mehrmals pro Woche oder an aufeinanderfolgenden Tagen fährt, bestimmt mit der Qualität der Erholung, wie belastbar er beim nächsten Mal ist. Im Profibereich wird die Regeneration deshalb genauso strukturiert geplant wie das Training selbst.
Was dein Körper jetzt braucht
- Kohlenhydrate füllen die Glykogenspeicher wieder auf. Besonders wichtig, wenn die nächste Einheit weniger als 24 Stunden entfernt ist. Je früher nach der Belastung, desto besser.
- Eiweiß stellt die Bausteine für die Muskelreparatur bereit. 20 bis 30 Gramm direkt nach der Belastung sind ein gut untersuchter Richtwert.
- Flüssigkeit und Elektrolyte gleichen aus, was über den Schweiß verloren gegangen ist. Natrium, Kalium und Magnesium spielen dabei eine Rolle.
Die erste Mahlzeit sollte im Sinne einer optimalen Ernährung im Radsport eher fettarm sein, damit Kohlenhydrate und Eiweiß schnell verfügbar sind. Bewährt: Quark mit Früchten und Haferflocken, Schoko-Milch, Brot mit Käse und Banane. Eine vollwertigere Mahlzeit folgt dann später.
Die Geheimtipps der Profis der Tour de France
Im professionellen Radsport dreht sich vieles um Effizienz. Nicht nur darum, wer am härtesten trainiert, sondern wer dieselbe Leistung mit weniger Aufwand erbringt. In diesem Kontext haben Rote Bete und Montmorency-Sauerkirschen in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit bekommen.
Rote Bete im Leistungssport
Rote Bete ist aufgrund ihres hohen Nitratgehalts besonders interessant. Nach der Aufnahme wird Nitrat im Körper über mehrere Stufen zu Stickstoffmonoxid umgewandelt. Das ist ein Molekül, das an der Regulation der Gefäßfunktion beteiligt ist und die Durchblutung beeinflussen kann (1).
In der Forschung wird Nitrat deshalb gezielt im Kontext der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung arbeitender Muskulatur untersucht. Es wurde untersucht, wie sich eine erhöhte Nitratzufuhr auf verschiedene leistungsphysiologische Parameter auswirkt. Dabei wurden unter anderem folgende Komponenten untersucht:
- Veränderungen der Sauerstoffökonomie
- Veränderungen der maximalen Leistungsfähigkeit
- Anpassungen der Leistungsfähigkeit bei hochintensiven, wiederholten Belastungen
- Effekte auf die Regeneration durch muskuläre Erholung nach intensiver Belastung (2, 3).
Die Radfahrer der Tour de France setzen auf standardisierte Präparate wie Rote-Bete-Saftkonzentrate. Sie liefern nicht nur eine zuverlässige Nitratquelle, sondern sind einfach in der Einnahme und besser verträglich, wenn auf fermentierte Varianten gesetzt wird. Idealer Zeitpunkt der Einnahme ist etwa 2 bis 2,5 Stunden vor der Belastung, da in diesem Zeitraum die Umwandlung von Nitrat über Nitrit zu den biologisch aktiven Stickstoffverbindungen stattfindet.
Montmorency-Sauerkirschen im Leistungssport
Intensive körperliche Belastung geht mit entzündungs- und reparaturbezogenen Prozessen im Muskelgewebe einher. Diese Reaktionen sind ein normaler Bestandteil der Anpassung. Werden Trainingsreize jedoch sehr dicht gesetzt und Erholungsphasen verkürzt, wurden in Studien vermehrt Marker beschrieben, die mit Muskelkater, muskulärer Steifigkeit und Veränderungen der subjektiven Erholungswahrnehmung in Verbindung stehen.
Montmorency-Sauerkirschen zählen zu den am häufigsten untersuchten Obstsorten im sportwissenschaftlichen Kontext. Sie enthalten vergleichsweise hohe Mengen an Anthocyanen, einer Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, die in Studien im Zusammenhang mit antioxidativen und entzündungsassoziierten Prozessen untersucht wurden.
In verschiedenen Studien wurde der Einfluss von Montmorency-Sauerkirschen auf verschiedene Parameter der Belastung und Regeneration untersucht. Dazu gehören unter anderem:
- Muskelkater nach intensiver Belastung
- Veränderungen der maximalen Muskelkraft in den Tagen nach dem Training
- Konzentrationen entzündungsassoziierter Marker wie CRP und Interleukin-6
- Schlafqualität bei Athletinnen und Athleten (4-6)
Dein kompakter Fahrplan auf einen Blick
Der folgende Fahrplan fasst die wichtigsten ernährungsphysiologischen Maßnahmen rund um intensive Ausdauerbelastungen strukturiert zusammen, von der Vorbereitung über die Belastungsphase bis hin zur Regeneration.
|
Phase |
Empfehlung |
Richtwert |
| Vorabend |
Kohlenhydratreiche Mahlzeit |
Reis, Nudeln, Kartoffeln, Brot |
| 2–3 h vor Start |
Leicht verdaulich, KH-reich, fettarm |
Haferflocken, Weißbrot mit Honig, Reis |
| Vor intensiven Einheiten |
Rote-Bete-Saftkonzentrat | Ca. 2–2,5 h vor der Belastung |
| Direkt nach der Fahrt |
KH + Eiweiß kombinieren |
20–30 g Eiweiß |
| Regenerationsphase |
Montmorency-Sauerkirsch-Saftkonzentrat | Bei hoher Belastungsdichte |
Fazit
Eine strukturierte Ernährung im Radsport bildet die Grundlage für konstante Leistung, stabile Energieverfügbarkeit und schnelle Regeneration. Besonders in intensiven Wettkampfsituationen wie sie im Profiradsport oder bei der Tour de France Ernährung der Profis auftreten, zeigt sich, wie entscheidend eine durchdachte Ernährungsstrategie ist. Wer hier konsequent ist, hat einen spürbaren Vorteil gegenüber Fahrern, die ausschließlich an Material und Trainingsvolumen schrauben.
Beliebte Präparate im Radsport wie Rote Bete und Montmorency-Sauerkirschen sind keine Wundermittel. Aber sie sind gut untersucht, im Profibereich etabliert und für ambitionierte Hobbyfahrer eine sinnvolle Ergänzung, vorausgesetzt, die Grundlagen stimmen. Wie bei allem gilt: erst im Training testen, dann im Wettkampf einsetzen.
Unsere Expertin
Was ist die wichtigste Grundlage der Ernährung im Radsport?
Die wichtigste Grundlage der Ernährung im Radsport ist eine ausreichende Versorgung mit Kohlenhydraten, da diese bei intensiver Belastung die primäre Energiequelle darstellen und die Glykogenspeicher füllen.
Wie sieht eine optimale Tour de France Ernährung bei Profis aus?
Die Tour de France Ernährung der Profis basiert auf einer konstanten Energiezufuhr während und zwischen den Etappen. Dabei stehen hohe Kohlenhydratmengen, schnelle Regeneration und individuell abgestimmte Nährstoffstrategien im Vordergrund.
Wie viele Kohlenhydrate sollte man im Radsport pro Stunde zuführen?
Im Rahmen einer leistungsorientierten Ernährung im Radsport werden meist 60–90 g Kohlenhydrate pro Stunde empfohlen. Im Profibereich der Tour de France Ernährung können es sogar bis zu 120 g pro Stunde sein.
Wann sollte man vor dem Radfahren Kohlenhydrate essen?
Für eine optimale Ernährung im Radsport vor der Belastung sollten 2–3 Stunden vorher leicht verdauliche Kohlenhydrate konsumiert werden, um die Glykogenspeicher optimal zu füllen und die Leistung zu stabilisieren.
Welche Lebensmittel eignen sich vor einer Radtour am besten?
Geeignet sind im Rahmen der Ernährung im Radsport vor allem Haferflocken, Reis, Nudeln, Weißbrot oder Bananen, da sie schnell verfügbare Energie liefern und den Magen nicht belasten.
Welche Rolle spielt Ernährung in der Regeneration im Radsport?
Die Ernährung im Radsport nach der Belastung ist entscheidend für die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher, Muskelreparatur und Flüssigkeitsbalance, besonders bei hoher Trainingsfrequenz.
Referenzen zum Nachlesen
- Esen O, Dobbin N, Callaghan MJ. The Effect of Dietary Nitrate on the Contractile Properties of Human Skeletal Muscle: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Am Nutr Assoc 2023; 42(4):327–38.
- Coggan AR, Baranauskas MN, Hinrichs RJ, Liu Z, Carter SJ. Effect of dietary nitrate on human muscle power: a systematic review and individual participant data meta-analysis. J Int Soc Sports Nutr 2021; 18(1):66.
- Silva KVC, Costa BD, Gomes AC, Saunders B, Mota JF. Factors that Moderate the Effect of Nitrate Ingestion on Exercise Performance in Adults: A Systematic Review with Meta-Analyses and Meta-Regressions. Adv Nutr 2022; 13(5):1866–81.
- Hill JA, Keane KM, Quinlan R, Howatson G. Tart Cherry Supplementation and Recovery From Strenuous Exercise: A Systematic Review and Meta-Analysis. International journal of sport nutrition and exercise metabolism 2021; 31(2):154–67.
- Gao R, Chilibeck PD. Effect of Tart Cherry Concentrate on Endurance Exercise Performance: A Meta-analysis. J Am Coll Nutr 2020; 39(7):657–64.
- Chung J, Choi M, Lee K. Effects of Short-Term Intake of Montmorency Tart Cherry Juice on Sleep Quality after Intermittent Exercise in Elite Female Field Hockey Players: A Randomized Controlled Trial. International Journal of Environmental Research and Public Health 2022; 19(16):10272.



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