„Nativ extra“ steht auf fast jeder Flasche im Supermarkt. Über den Polyphenolgehalt sagt dieser Begriff nichts – er regelt Säuregehalt und Sensorik. Zwischen zwei Ölen, die beide „nativ extra“ heißen, kann trotzdem ein Faktor von zehn oder mehr liegen. Diese Seite erklärt, woran man ein Olivenöl mit hohem Polyphenolgehalt tatsächlich erkennt, welche Schwelle der zugelassene EU-Health-Claim verlangt und wo O'Liv PLUS in dieser Skala steht.
Inhalt
Was Polyphenole im Olivenöl sind
Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe. Die Olive bildet sie als Schutzstoffe – und weil sie fettlöslich sind, gehen sie beim Pressen teilweise ins Öl über. Sie sind der Grund, warum ein frisches, hochwertiges Olivenöl bitter schmeckt und im Hals kratzt.
- Hydroxytyrosol – der namensgebende Stoff des EU-Health-Claims.
- Tyrosol – chemisch eng verwandt, meist gemeinsam angegeben.
- Oleuropein – verantwortlich für die Bitterkeit, wird während der Reifung teilweise zu Hydroxytyrosol abgebaut.
- Oleocanthal – verantwortlich für das pfeffrige Kratzen im Hals.
Angegeben wird der Polyphenolgehalt in Milligramm pro Kilogramm Öl (mg/kg). Diese eine Zahl ist der einzige objektive Vergleichsmaßstab. Wer tiefer einsteigen möchte: Der Olivenöl-Polyphenole-Ratgeber erklärt die Stoffgruppen im Detail.
Warum das Etikett nicht reicht
„Natives Olivenöl extra“ ist eine EU-Qualitätsstufe. Sie verlangt einen Säuregehalt unter 0,8 g/100 g, mechanische Gewinnung und ein sensorisch fehlerfreies Profil. Über den Polyphenolgehalt sagt sie nichts.
Das ist keine Nachlässigkeit der Hersteller, sondern eine Lücke in der Kennzeichnung: Es besteht keine Pflicht, den Polyphenolgehalt anzugeben. Wer ihn nennt, tut das freiwillig. Deshalb steht die Zahl bei den meisten Ölen schlicht nirgends – und zwei Flaschen mit identischem Etikett können völlig unterschiedliche Öle enthalten.
Praktische Folge: Wenn ein Hersteller den Polyphenolgehalt in mg/kg ausweist und die Messmethode nennt, ist das bereits ein Qualitätssignal. Fehlt die Angabe, lässt sich der Gehalt von außen nicht beurteilen.
Die Messlatte: der EU-Health-Claim
Für Olivenöl-Polyphenole existiert – anders als für die meisten Pflanzenstoffe – eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012.
„Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen.“
Bedingung: eine tägliche Aufnahme von 5 mg Hydroxytyrosol und dessen Derivaten je 20 g Olivenöl.
Aus dieser Bedingung lässt sich die Schwelle ableiten: 5 mg in 20 g entsprechen rund 250 mg/kg. Ein Öl darunter erreicht den Claim bei üblicher Verzehrmenge nicht. Ein Öl mit 950 mg/kg erreicht die 5-mg-Marke rechnerisch bereits mit etwa 5 g – also gut einem Teelöffel.
Wichtig zur Einordnung: Der Claim bezieht sich ausschließlich auf den Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress. Weitergehende Aussagen zu gesundheitlichen Wirkungen von Olivenöl sind in der EU nicht zulässig – auch dann nicht, wenn einzelne Studien in andere Richtungen deuten.
Die Werte im Vergleich
Eine amtliche Definition für „hoher Polyphenolgehalt“ gibt es nicht. Im Markt haben sich aber Größenordnungen etabliert, an denen man sich orientieren kann:
| Kategorie | Polyphenolgehalt | EU-Health-Claim erreichbar? | Typische Herkunft |
|---|---|---|---|
| Supermarkt-Olivenöl, Standard | ca. 50–150 mg/kg | nein | späte Ernte, Verschnitt, lange Lagerung |
| Hochwertiges natives Olivenöl extra | ca. 200–400 mg/kg | teilweise | sortenrein, mittlere Erntezeit |
| Premium / high phenolic | ab ca. 500 mg/kg | ja | frühe Ernte, polyphenolreiche Sorten |
| Ultra high phenolic – O'Liv PLUS | ≥ 950 mg/kg | ja | sehr frühe Ernte, Kaltpressung, Bio |
Die Spanne erklärt, warum der Preisunterschied zwischen einem Liter Supermarktöl und einem polyphenolreichen Öl so groß ausfällt: Frühe Ernten liefern deutlich weniger Öl je Kilogramm Oliven.
O'Liv PLUS – Bio-Olivenöl mit ≥ 950 mg/kg
Hydroxytyrosol, Tyrosol und Derivate, gemessen nach IOC-Methode. 500 ml, 1.000 ml und 1.500 ml.
Woran es liegt: Sorte, Ernte, Pressung
Drei Faktoren entscheiden über den Polyphenolgehalt – und alle drei kosten Ertrag oder Aufwand:
- Die Olivensorte. Koroneiki, Picual und Coratina bringen von Natur aus hohe Werte mit. Milde Sorten liegen deutlich darunter.
- Der Erntezeitpunkt. Grün geerntete Oliven im Oktober und November enthalten ein Vielfaches der Polyphenole reifer, schwarzer Oliven im Januar. Der Saftertrag ist dabei allerdings erheblich geringer.
- Die Verarbeitung. Kaltpressung unter 27 °C erhält die hitzeempfindlichen Verbindungen. Sauerstoff, Licht und Wärme bauen sie danach kontinuierlich ab – ein polyphenolreiches Öl verliert über die Lagerzeit an Gehalt.
Deshalb gehört zum Polyphenolgehalt immer auch das Erntejahr. Ein Wert ohne Jahrgangsangabe ist nur die halbe Information.
Der Geschmackstest zu Hause
Ein Labor braucht es für eine grobe Einschätzung nicht. Polyphenole schmeckt man:
- Bitter auf der Zunge – das ist im Wesentlichen Oleuropein.
- Scharf und kratzend im Rachen, oft mit leichtem Hustenreiz – das ist Oleocanthal.
So geht der Test: einen Teelöffel Öl in den Mund nehmen, kurz im Mund erwärmen, mit leicht geöffneten Lippen Luft einziehen und dann schlucken. Das Kratzen setzt typischerweise erst nach einigen Sekunden ein.
Viele Menschen halten dieses Kratzen für einen Fehler oder für ein „ranziges“ Öl. Das Gegenteil ist der Fall: Es ist der sensorische Marker für einen hohen Polyphenolgehalt. Ein völlig mildes, weiches Olivenöl enthält in aller Regel wenig davon.
O'Liv PLUS im Vergleich
O'Liv PLUS ist ein Bio-Olivenöl nativ extra mit einem Gehalt von ≥ 950 mg/kg Hydroxytyrosol, Tyrosol und deren Derivaten. Gemessen wird nach der Methode des International Olive Council (COI/T.20/Doc. No 29) – dem Standardverfahren für die Bestimmung der Phenolfraktion.
- aus früh geernteten Oliven, kaltgepresst
- zertifizierter Bio-Anbau
- vegan, ohne Zusatzstoffe, ohne deklarationspflichtige Allergene
- Abfüllung in Deutschland
- 500 ml, 1.000 ml und 1.500 ml
Zur Einordnung gegenüber dem Wettbewerb: Auch andere Anbieter führen polyphenolreiche Öle, etwa im Bereich um 250 bis 500 mg/kg. Entscheidend beim Vergleich sind zwei Dinge – ob der Wert überhaupt ausgewiesen wird und nach welcher Methode gemessen wurde. Ohne Methodenangabe sind zwei mg/kg-Zahlen nicht zwingend vergleichbar.
Anwendung im Alltag
Empfohlen werden 10 ml täglich – pur als Löffel oder über kalte und lauwarme Speisen. Praktisch heißt das: über den fertigen Salat, aufs Brot, in den Quark, über die Suppe nach dem Servieren, über Hummus oder gekochtes Gemüse auf dem Teller.
Nach dem Öffnen kühl, dunkel und fest verschlossen lagern und innerhalb von etwa drei Monaten aufbrauchen.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Olivenöl mit hohem Polyphenolgehalt“?
Eine amtliche Definition gibt es nicht. In der Praxis wird der Begriff für Öle ab etwa 250 mg/kg verwendet – das ist die Größenordnung, ab der bei 20 g Tagesverzehr die Bedingung des EU-Health-Claims erfüllt ist. Öle ab 500 mg/kg gelten als Premium, ab etwa 900 mg/kg als ultra high phenolic.
Woran erkenne ich den Polyphenolgehalt beim Kauf?
Nur an der Herstellerangabe in mg/kg. Es besteht keine Kennzeichnungspflicht, deshalb fehlt die Zahl bei den meisten Ölen. Sensorisch geben Bitterkeit und ein kratzendes Gefühl im Hals einen Anhaltspunkt, ersetzen aber keine Messung.
Ist „nativ extra“ dasselbe wie polyphenolreich?
Nein. „Nativ extra“ regelt Säuregehalt und sensorische Fehlerfreiheit. Ein natives Olivenöl extra kann 50 mg/kg Polyphenole enthalten oder 800 mg/kg – die Kategorie sagt darüber nichts aus.
Wie viel Olivenöl brauche ich für den EU-Health-Claim?
Der Claim verlangt 5 mg Hydroxytyrosol und Derivate pro Tag, bezogen auf 20 g Olivenöl. Bei einem Öl mit 250 mg/kg entspricht das etwa 20 g, bei 950 mg/kg rechnerisch etwa 5 g.
Warum kratzt polyphenolreiches Olivenöl im Hals?
Verantwortlich ist Oleocanthal. Das Kratzen ist kein Qualitätsmangel, sondern ein Marker für einen hohen Polyphenolgehalt. Es tritt typischerweise mit einigen Sekunden Verzögerung nach dem Schlucken auf.
Verliert Olivenöl seine Polyphenole mit der Zeit?
Ja. Sauerstoff, Licht und Wärme bauen die Verbindungen kontinuierlich ab. Deshalb sind Erntejahr, dunkle Flasche, kühle Lagerung und ein zügiger Verbrauch nach dem Öffnen relevant.
Kann ich polyphenolreiches Olivenöl zum Kochen verwenden?
Für kalte und lauwarme Speisen ja. Starkes Erhitzen, Braten und Frittieren bauen Polyphenole und Aroma ab – dafür eignen sich günstigere Olivenöle besser.
Was kostet O'Liv PLUS?
Die 500-ml-Flasche startet bei 25,95 €, die 1.000-ml-Flasche bei 44,95 € und die 1.500-ml-Flasche bei 64,95 €. Versandkostenfrei ab 29 € Bestellwert, mit 90 Tagen Rückgaberecht.
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission – Liste zugelassener gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. eur-lex.europa.eu
- EFSA – Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to polyphenols in olive (2011). efsa.europa.eu
- International Olive Council – Determination of biophenols in olive oils by HPLC, COI/T.20/Doc. No 29. internationaloliveoil.org
- Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 und Durchführungsverordnung (EU) 2022/2104 – Vermarktungsnormen für Olivenöl. eur-lex.europa.eu



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