Montmorency-Sauerkirsche

Ernährung bei Gicht: Was hilft gegen erhöhte Harnsäure?

Verschiedene Lebensmittel am schwarzen Tisch

Wer an Gicht leidet, sollte besonders auf seine Ernährung achten. Denn bestimmte Lebensmittel können den Harnsäurespiegel erhöhen und damit das Risiko für schmerzhafte Gichtanfälle begünstigen. Andere Lebensmittel lassen sich dagegen problemlos in den Speiseplan integrieren.


Doch was darf man bei Gicht eigentlich essen? Muss man vollständig auf Fleisch verzichten? Und welche Rolle spielen Obst, Gemüse und Getränke? In diesem Beitrag bekommst du praktische Tipps, wie du mit natürlichen Maßnahmen und einer passenden Ernährung bei Gicht deine Gesundheit wieder ins Gleichgewicht bringen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

Geeignete Lebensmittel: Besonders empfehlenswert sind Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte und pflanzliche Proteinquellen.

Weniger empfehlenswerte Lebensmittel: Innereien, große Mengen Fleisch, bestimmte Meeresfrüchte, Alkohol und fructosereiche Softdrinks sollten möglichst reduziert oder gemieden werden.

Langfristige Ernährung: Ernährungsweisen wie die DASH-Diät oder die mediterrane Ernährung können eine gute Orientierung bieten.

Warum ist Ernährung bei Gicht so wichtig?

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken und gelenknahen Geweben verursacht wird. Diese Ablagerungen entstehen aufgrund einer sogenannten Hyperurikämie, einem dauerhaft erhöhten Harnsäurespiegel im Blut (1).


In der Regel wird überschüssige Harnsäure über die Nieren ausgeschieden. Funktioniert dieser Prozess jedoch nicht richtig, etwa weil zu viele Purine aufgenommen werden oder die Ausscheidung gestört ist, steigt der Harnsäurespiegel im Blut. 


Bleibt dieser dauerhaft erhöht, kann sich Harnsäure in Form von Kristallen in den Gelenken ablagern und genau das führt letztlich zu den typischen, schmerzhaften Beschwerden bei Gicht (2).  Bei chronischer Gicht kann dies zu dauerhaften Veränderungen im betroffenen Gelenk, sowie zu eingeschränkter Nierenfunktion führen (3).

Was sind die typischen Symptome von Gicht?

  • Plötzliche, sehr starke Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken
  • Schmerzbeginn langsam, zunehmende Intensität bis hin zu unerträglichen Schmerzen, vor allem bei Bewegung oder Berührung des Gelenks
  • Entzündung des betroffenen Gelenks
  • Schwellung des Gelenks
  • Wärmegefühl im betroffenen Gelenk
  • Rötung der Haut über dem Gelenk, straff und glänzend
  • Fieber
  • Erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie)
  • Allgemeines Unwohlsein
Ältere Frau hat sich am schmerzenden Fußgelenk

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Die Rolle der Ernährung bei Gicht

Wusstest du, dass du mit deiner Ernährung direkt beeinflussen kannst, wie viel Harnsäure sich in deinem Körper anreichert? Deine tägliche Lebensmittelwahl spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Harnsäurespiegels. 


Besonders die Aufnahme von Purinen über die Nahrung hat einen großen Einfluss. Dabei ist nicht nur wichtig, welche Lebensmittel du auswählst, sondern auch, wie viel du davon zu dir nimmst.


Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick.

Lebensmittelgruppe Empfehlenswert Besser reduzieren oder meiden
Gemüse Tomaten, Karotten, Brokkoli, Paprika, Spinat, Spargel Keine generellen Einschränkungen erforderlich
Obst Kirschen, Beeren, Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte Große Mengen Fruchtsaft und gezuckerte Fruchtgetränke
Milchprodukte Fettarme Milch, Naturjoghurt, Quark, Hüttenkäse Stark gezuckerte Milchprodukte
Fleisch Gelegentlich kleine Portionen mageres Fleisch Innereien, große Fleischportionen, häufiger Verzehr von rotem Fleisch
Fisch und Meeresfrüchte Ausgewählte Fischsorten in moderaten Mengen Sardinen, Anchovis, Muscheln und andere besonders purinreiche Sorten
Hülsenfrüchte Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Erbsen In der Regel keine Einschränkung notwendig
Getreide Haferflocken, Vollkornbrot, Naturreis, Vollkornnudeln Stark gezuckerte Getreideprodukte
Getränke Wasser, ungesüßter Tee, Kaffee bei guter Verträglichkeit Bier, größere Alkoholmengen, zuckerhaltige Softdrinks
Frau kocht gesund mit viel Gemüse

Obwohl es keine spezielle Diät gibt, die ausschließlich für Gicht entwickelt wurde, hat sich in diesem Zusammenhang eine bekannte Ernährungsweise besonders bewährt: die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension). 


Ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt, legt diese Diät großen Wert auf eine ausgewogene Nährstoffzufuhr sowie die Reduktion ungesunder Fette und Zucker. Studien belegen, dass die DASH-Diät den Harnsäurespiegel bereits nach vier wochen um 0,25 mg/dl bis zu 0,55 md/dl senken kann (4, 5). 

Wichtig! Solltest du Hyperurikämie oder Gicht diagnostiziert bekommen, solltest du dich nicht einer extremen Diät oder radikalem Fasten zur Gewichtreduktion unterziehen, da sie sogar einen Gichtanfall verursachen können! Beim schnellen Abbau körpereigener Zellstrukturen werden vermehrt Purine freigesetzt, was den Harnsäurespiegel schnell in die Höhe treibt. 

Deine 5 Schritte für gesunde Harnsäurewerte

Gicht entwickelt sich nicht über Nacht. Genauso wenig verschwinden die Beschwerden von heute auf morgen. Aber die gute Nachricht: Mit der richtigen Herangehensweise kannst du viel tun, um deine Harnsäurewerte zu senken und Gicht langfristig vorzubeugen.


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Diese Maßnahmen spielen dabei eine zentrale Rolle:


  1. Purinreiche Lebensmittel vermeiden
  2. Auf eine ausgewogene Ernährung setzen
  3. Regelmäßige körperliche Aktivität in Bewegung bleiben
  4. Ausreichend trinken
  5. Gezielt Mikronährstoffe ergänzen 
Montmorency-Sauerkirschen am Holztisch

Welche Rolle spielen Montmorency-Sauerkirschen bei Gicht?

Neben klassischen Ernährungsempfehlungen werden auch einzelne Lebensmittel hinsichtlich ihres möglichen Einflusses auf den Harnsäurestoffwechsel untersucht. Dazu gehören Sauerkirschen. Besonders die Montmorency-Sauerkirsche ist in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus der Forschung gerückt.


Was macht Montmorency-Sauerkirschen besonders?


Montmorency-Sauerkirschen enthalten verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, darunter Polyphenole. Zu diesen zählen unter anderem Anthocyane, die für die charakteristische rote Färbung vieler Kirschen verantwortlich sind.


Polyphenole werden aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften und ihrer möglichen biologischen Funktionen wissenschaftlich untersucht.  Im Zusammenhang mit Gicht wurden besonders ihre Effekte auf die Regulierung des Harnsäurespiegels, die Reduktion von Entzündungswerten sowie das Auftreten wiederholter Gichtanfälle untersucht (6-9).

Fazit

Eine ausgewogene Ernährung bei Gicht ist ein wichtiger Bestandteil im langfristigen Umgang mit dieser Erkrankung. Dabei kommt es nicht darauf an, möglichst viele Lebensmittel zu verbieten, sondern die richtigen Schwerpunkte zu setzen.


Besonders empfehlenswert sind Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte und pflanzliche Proteinquellen. Große Mengen Fleisch, besonders purinreiche tierische Lebensmittel, Alkohol und zuckerhaltige Getränke solltest du dagegen möglichst reduzieren.


Wichtig ist allerdings auch: Gicht lässt sich nicht immer allein durch eine Ernährungsumstellung ausreichend kontrollieren. Bei vielen Betroffenen ist zusätzlich eine medikamentöse Behandlung notwendig, um den Harnsäurespiegel dauerhaft auf einen geeigneten Zielwert zu senken. 

Unser Experte

Portrait  Tobias D. Duven

Tobias D. Duven

Heilpraktiker

Schwerpunkte:
Autoimmunerkrankungen | Chronic Fatigue Syndrom | High-Performance-Medizin

Wie kann ich Gicht mit der richtigen Ernährung vorbeugen?

Eine purinarme Ernährung bei Gicht, die reich an Obst, Gemüse und gesunden Fetten ist, kann helfen, die Harnsäurewerte zu senken und Gichtanfällen vorzubeugen. Vermeide auch alkoholische Getränke, vor allem Bier.

Welche Lebensmittel sollte ich bei Gicht meiden?

Vermeide purinreiche Lebensmittel wie rotes Fleisch, Innereien, Schalentiere und Alkohol, da sie die Harnsäureproduktion im Körper ankurbeln.

Welche Nahrungsmittel können bei Gicht helfen?

Lebensmittel wie Sauerkirschen, Gemüse, fettarme Milchprodukte und ausreisend Flüssigkeit wie Wasser sind hilfreich.

Welchen Einfluss hat Übergewicht auf Gicht?

Übergewicht ist ein Risikofaktor für Gicht, da es die Harnsäureproduktion steigert und die Ausscheidung hemmt.

Welche Nährstoffe sind besonders wichtig bei Gicht?

Wichtige Nährstoffe für Gichtpatienten sind Vitamin C, Magnesium, Citrate, Zink und Omega-3-Fettsäuren. Diese fördern die Harnsäureausscheidung, sind an der Reduzierung Entzündungen und Stärkung des Immunsystems beteiligt. 

Wie helfen Sauerkirschen bei Gicht?

Sauerkirschen, besonders Montmorency-Sauerkirschen, sind für ihre hohe Menge an Polyphenolen bekannt, die ein großes Potenzial in der Behandlung von Gicht haben. 

Referenzen zum Nachlesen:

  1. Clebak KT, Morrison A, Croad JR. Gout: Rapid Evidence Review. American Family Physician 2020; 102(9):533–8. 
  2. Tausche A-K, Jansen TL, Schröder H-E, Bornstein SR, Aringer M, Müller-Ladner U. Gout-current diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(34-35):549–55. doi: 10.3238/arztebl.2009.0549 .
  3. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V. Diagnostik und Therapie der Gicht 2024 [Stand: 16.04.2025]. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/060-005. 
  4. Juraschek SP, Miller ER, Wu B, White K, Charleston J, Gelber AC et al. A Randomized Pilot Study of DASH Patterned Groceries on Serum Urate in Individuals with Gout. Nutrients 2021; 13(2). doi: 10.3390/nu13020538 .
  5. Gohari S, Ghobadi S, Jafari A, Ahangar H, Gohari S, Mahjani M. The effect of dietary approaches to stop hypertension and ketogenic diets intervention on serum uric acid concentration: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Sci Rep 2023; 13(1):10492. doi: 10.1038/s41598-023-37672-2 . 
  6. Zhang Y, Neogi T, Chen C, Chaisson C, Hunter DJ, Choi HK. Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis Rheum 2012; 64(12):4004–11. doi: 10.1002/art.34677 .
  7. Schlesinger N. Pilot Studies of Cherry Juice Concentrate for Gout Flare Prophylaxis. J Arthritis 2012; 01(01). doi: 10.4172/2167-7921.1000101 . 
  8. Wang C, Sun W, Dalbeth N, Wang Z, Wang X, Ji X et al. Efficacy and safety of tart cherry supplementary citrate mixture on gout patients: a prospective, randomized, controlled study. Arthritis Res Ther 2023; 25(1):164. doi: 10.1186/s13075-023-03152-1 .
  9. Hillman AR, Uhranowsky K. Acute Ingestion of Montmorency Tart Cherry Reduces Serum Uric Acid but Has no Impact on High Sensitivity C-Reactive Protein or Oxidative Capacity. Plant foods for human nutrition (Dordrecht, Netherlands) 2021; 76(1):83–9. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33506357/.  

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