Ingwer: Sorten und Herkunft

Susanne Amrhein - Journalistin und Redakteurin u.a. für Gesundheitsthemen

Woher kommt Ingwer und welche Sorten gibt es?

Auch wenn Ingwer mittlerweile in den meisten Supermärkten erhältlich ist, haben die Knollen meist eine lange Reise hinter sich. Ingwer wächst in warmen Überseeländern in mehr als 100 verschiedenen Sorten. Seine Art, Herkunft, Ernte und Verarbeitung sind entscheidend für seine spätere Verwendung. Wenn sie Ingwer in der Küche, als Heil- oder Gartenpflanze verwenden möchten, ist es hilfreich, sich etwas genauer mit seiner Herkunft und den verschiedenen Ingwersorten zu beschäftigen.

Was ist Ingwer?

    • Botanischer Name: Zingiber officinale
    • Pharmazeutischer Name: Zingiberis rhizoma
    • Ingwer gehört zur Pflanzenfamilie der Ingwergewächse.
    • Der unterirdische Wurzelstock, das Ingwer-Rhizom, ist der Haupttrieb der Pflanze.
    • Die oberirdische Pflanze hat einen schilfartigen Stiel mit langen, spitzen Laubblättern.
    • Die Wuchshöhe beträgt 50 – 150 cm.
    • Die Ingwerblüte besteht aus einem langen, schuppigen Blütenstand mit gelben, purpurfarbenen oder violetten Blütenblättern.
    • Ingwer wird vorwiegend als Gewürz- und Heilpflanze genutzt.

      Woher kommt Ingwer?

      Ingwer stammt aus Asien. Sein genaues Ursprungsland ist jedoch nicht bekannt. Namentlich wurde Ingwer zum ersten Mal im zweiten Jahrtausend vor Christi Geburt in China erwähnt, in ersten Schriften über Kräuter. Von dort aus hat sich die Ingwerpflanze weiter nach Westafrika und Südasien verbreitet. In Indien und Sri Lanka ist Ingwer seit etwa dreitausend Jahren bekannt. Nach Europa gelangte Ingwer dagegen erst im ersten Jahrhundert nach Christus. Da Ingwer zum Wachsen besondere Bedingungen benötigt, kann er nicht in allen Ländern angebaut werden.

      Wo wächst Ingwer?

      Ingwer mag warmes und feuchtes Klima und wächst vor allem im tropischen und subtropischen Raum.

      Zu den Ländern, die Ingwer anbauen, gehören:

      • Sri Lanka
      • Indien
      • Indonesien
      • Vietnam
      • China
      • Japan
      • Taiwan
      • Australien
      • Frankreich
      • Nigeria
      • Brasilien
      • Peru

      Das flächenmäßig größte Anbaugebiet liegt in Indien. Hier wird etwa die Hälfte der weltweiten Ingwermenge produziert. Der Ingwer wird dort allerdings zum großen Teil für den Eigenbedarf der indischen Bevölkerung angebaut. Zu den größten Ingwer- Exporteuren gehören China und Nigeria, die jedes Jahr rund 500.000 Tonnen produzieren. (1)

      Gerade aus China, dem Land aus dem unser Speise-Ingwer besonders häufig kommt, fehlt es oft an Qualitäts-Standards bei der Zucht von Ingwer und auch die Beschaffenheit von Böden und der Einsatz von Pestiziden entspricht nicht den in Deutschland und Europa üblichen Standards. Unser Tipp daher: Ingwer ist nicht gleich Ingwer, achten Sie unbedingt auf Herkunft, Qualität und verlässliche Standards. Ingwer in größeren Mengen auch in Europa anzubauen, hat sich bisher nicht durchgesetzt.

      Wächst Ingwer auch in Deutschland?

      Es gibt auch in Deutschland im kleinen Rahmen Ingwer-Anbau für den Handel und Verkauf. Allerdings sind die Witterungsbedingungen bei uns nicht stabil genug, um Ingwer ertragreich wachsen zu lassen. Der meiste Ingwer wird daher nach wie vor importiert: Im Jahr 2019 waren es in Deutschland rund 25.000 Tonnen. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 wurden bereits 12.000 Tonnen Ingwer eingeführt. (2)

      Wenn sie Ingwer allerdings bei sich zuhause anbauen möchten, gedeiht er recht gut auf der Fensterbank, dem Balkon und zum Teil sogar im eigenen Garten. Um ihren eigenen Ingwer anzupflanzen, reicht eine frische Ingwerknolle mit mehreren „Augen“ (kleine, rundliche Auswüchse) in Bio-Qualität. Diese Knolle können sie in fünf Zentimeter große Stücke zerteilen und über Nacht in Wasser einweichen. Am nächsten Morgen können sie mit der Schnittstelle in einen Blumentopf mit normaler Blumenerde gesetzt werden, so dass ein Teil des Wurzelstocks noch zu sehen ist.  Anschließend sollten Sie den Ingwer an einem warmen, sonnigen Platz regelmäßig wässern oder mit einer Sprühflasche befeuchten, so dass die Erde zwar stets feucht, aber nicht zu nass ist, damit die Ingwerknolle nicht fault. Nach einigen Wochen sehen Sie mit etwas Glück den ersten grüne Pflanzentrieb.

      Für den Anbau im Freiland sollten Sie die Ingwerpflanze allerdings im Haus vorziehen und erst im Frühjahr mit steigenden Temperaturen aussetzen. Winterhart ist Ingwer in unseren Breiten allerdings nicht. Aber mit etwas Glück können Sie nach einigen Monaten eigene Ingwerknollen ernten.

      Wann erntet man Ingwer?

      Ingwer ist nach 6 bis 8 Monaten bereit für die Ernte, je nachdem, ob er als frische Knolle oder als Gewürzingwer verwendet werden soll. Geerntet wird entweder die ganze Knolle oder nur ein Teil. Verbleibt der Rest des Ingwer- Wurzelstocks (Rhizom) im Boden, wächst er weiter und bildet neue Pflanzentriebe und Knollen.

      Der sogenannte „grüne Ingwer“, also die frische, junge Knolle, wird geerntet, wenn sich die Pflanze noch in ihrer Wachstumsphase befindet. Die jungen Ingwerknollen sind sehr zart und verfügen über ein eher mildes Aroma. Sie dienen als Küchenzutat und werden frisch verwendet. In den Herkunftsländern des Ingwers kann sogar die Schale mitgegessen werden. Frisch geerntet und gewaschen schmeckt sie ähnlich aromatisch und saftig wie das Ingwermark. Erst bei älterem Ingwer wird die Schale holzig und trocken. Die Schärfe der Knollen steigert sich, je später sie geerntet werden.

      Gewürzingwer wird dagegen erst geerntet, wenn sich die Blätter der Pflanze gelb verfärben und anfangen zu vertrocknen. Die Ingwerknolle wird aus dem Boden genommen, gewaschen, geschält und anschließend getrocknet und gemahlen. Ob Ingwer später frisch oder als Gewürz verwendet wird, hängt auch von der Ingwersorte und dem jeweiligen Herkunftsland ab. (3, 4)

      Welche Ingwersorten gibt es?

      Weltweit gibt es etwa 150 verschiedene Ingwersorten. Sie unterscheiden sich in ihrer Qualität, im Aussehen und Geschmack aufgrund der klimatischen Bedingungen und Bodenbeschaffenheiten in ihren Herkunftsländern. Beispielsweise verfügt indischer Ingwer über ein leicht süßes, an Zitronen erinnerndes Aroma. Ingwer aus China oder Jamaika schmeckt und duftet besonders intensiv. Ingwerknollen aus Nigeria werden vorwiegend zu Pulver verarbeitet, da er sehr streng und scharf ist. Thailändischer Ingwer ist vor allem unter der Bezeichnung „Galgant“ bekannt. Sein Geschmack ist ebenfalls intensiv, zitronig und scharf. In der thailändischen Küche spielt er frisch und als Gewürz eine wichtige Rolle. 

      Einige Ingwersorten werden manchmal als „grüner“, „roter“ oder „schwarzer Ingwer“ bezeichnet. Diese Namen sind allerdings etwas irreführend. Als „grüner Ingwer“ wird der junge, frische Ingwer bezeichnet, der als Gemüseknolle geerntet wird. Er sieht allerdings nicht grün aus. Lediglich die Schale kann bei einigen Ingwersorten, die sehr früh geerntet werden, einen leicht grünlichen Schimmer aufweisen. Auch schwarzer (Thai) Ingwer ist mitnichten schwarz, sondern zeigt im Inneren eine lila oder dunkelblaue Färbung. Nur „roter Ingwer“, der unter anderem in China und Vietnam wächst, hat tatsächlich ein rötliches Mark.

      In Supermärkten, in Gemüsegeschäften und auf dem Wochenmarkt finden Sie auch hierzulande unterschiedliche Ingwersorten – frisch, getrocknet und als gemahlenes Gewürz. Es lohnt sich, den Händler nach verschiedenen Sorten und ihren Geschmackseigenschaften zu fragen. Ingwer gibt es inzwischen sogar in einigen Blumen- und Pflanzenmärkten zu kaufen. Denn neben seinen Eigenschaften als Küchenzutat oder Heilpflanze wird Ingwer zunehmend auch wegen seiner interessanten Blüte geschätzt. 

      Wie sieht die Ingwerblüte aus?

      Ingwer ist wegen seiner attraktiven, meist purpurfarbenen oder roten Blüte auch bei Blumen- und Gartenliebhabern sehr gefragt. Die Ingwerblüte besteht aus einem langen, schuppigen Blütenstand mit purpurfarbenen, violetten oder auch gelben Blütenblättern. Der Blütenstand wächst direkt aus dem Ingwer-Rhizom heraus. Die Knospe der Ingwerblüte erinnert zunächst an einen Tannenzapfen. Später entfalten sich die Blütenblätter. In der modernen Floristik werden Ingwerblüten auch als Schnittblüten in Vasen arrangiert. Bei selbstgezogenem Ingwer im Haus oder Garten ist nicht sicher, ob die eingepflanzte Ingwerknolle tatsächlich eine Blüte austreibt.

      Im Gartenhandel ist vor allem Roter Ingwer erhältlich, der auch als „Purpurrote Tropenkerze“ oder „Ingwerlilie“ bezeichnet wird. In tropischen Ländern wächst er häufig in Parks oder Gärten. Bei uns gedeiht er in Wintergärten oder als Zimmerpflanze.

      Zusammenfassend:

      Obwohl Ingwer also eine vorwiegend importierte, tropische Pflanze ist, ist er auch bei uns in Deutschland problemlos erhältlich. Aber Ingwer ist nicht gleich Ingwer: Es gibt circa 150 verschiedene Ingwersorten, die vor allem in Asien, aber auch Lateinamerika und teilweise in Europa wachsen. Dabei ist es wichtig auf die Qualität der Wurzel zu achten, denn vor allem was die Belastung mit Pestiziden angeht, gibt es gravierende Unterschiede. Ingwer aus China, der überwiegend zum Verkauf angeboten wird, wird stärker mit Pestiziden behandelt als z.B. Sorten aus Indien. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig zu verstehen, woher der Ingwer kommt und wie sich seine Sorten unterscheiden.

      Quellen:
       (1) https://www.atlasbig.com/de-de/weltweit-ingwer-produktion "https://www.atlasbig.com/de-de/weltweit-ingwer-produktion wirdufen am 24.9.20
      (2) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/545929/umfrage/importmenge-von-ingwer-in-deutschland/
      (3) https://www.farmingindia.in/ginger-cultivation-grow-ginger/ "https://www.farmingindia.in/ginger-cultivation-grow-ginger/erhöufen am 25.9.20
      (4) http://www.dea.gov.lk/ginger/ginger "http://www.dea.gov.lk/ginger/ginger wechselnufen am 25.9.20