Herz

Rote Bete, Nieren & Blutdruck: Das unterschätzte Trio

Symbolische Darstellung der Nieren und Herzgesundheit, Rote Bete kann über Stickstoffmonoxid den Blutdruck positiv beeinflussen.

Die Nieren werden oft vor allem mit der Filterfunktion des Körpers in Verbindung gebracht, sie reinigen das Blut und beeinflussen die Flüssigkeitsausscheidung. Weniger bekannt ist jedoch, dass sie auch eine zentrale Rolle bei der Regulation des Blutdrucks spielen. Genau an diesem Punkt rückt ein Lebensmittel in den Fokus, das auf den ersten Blick kaum mit diesem System verbunden scheint: Rote Bete. 


Die knallrote Knolle wird häufig mit positiven Effekten auf Gefäße und Blutdruck in Verbindung gebracht, während ihr Oxalsäuregehalt gleichzeitig immer wieder Fragen aufwirft. Ist Rote Bete also eher unterstützend für die Nieren oder potenziell problematisch?

Das Wichtigste in Kürze

Die Nieren sind nicht nur Filterorgan, sondern auch zentraler Regulator des Blutdrucks

Nitrate aus Rote Bete werden im Körper zu Stickstoffmonoxid umgewandelt, das die Gefäße entspannen kann

Bei Neigung zu Nierensteinen oder bestehender Nierenerkrankung sind fermentierte Varianten oft besser verträglich

Die Nieren – mehr als nur ein Filter

Die Nieren leisten täglich Erstaunliches. Rund 180 Liter Blut fließen jeden Tag durch dieses Filtersystem, werden gereinigt und von Stoffwechselendprodukten befreit. Doch das ist nur ein Bruchteil ihrer Aufgaben.


Weitere Aufgaben der Nieren:

  • Regulieren den Wasserhaushalt des Körpers
  • Halten den Elektrolythaushalt im Gleichgewicht (z. B. Natrium, Kalium und Calcium)
  • Stabilisieren den Säure-Basen-Haushalt
  • Bilden Hormone, die die Blutbildung unterstützen
  • Steuern maßgeblich die Regulation des Blutdrucks
Nahaufnahme eines älteren Mannes, der im Freien lächelt; Symbol für Gesundheit.

Nieren als Thermostat für den Blutdruck

Stell dir die Nieren wie ein hochsensibles Thermostat vor. Sinkt die Durchblutung oder das Blutvolumen, schlagen sie Alarm. Spezielle Zellen schütten dann das Enzym Renin aus, das eine Kaskade in Gang setzt: Über mehrere Zwischenschritte entsteht Angiotensin II, ein Botenstoff, der die Gefäße verengt und den Blutdruck anhebt. 


Gleichzeitig wird das Hormon Aldosteron freigesetzt, das Natrium und Wasser im Körper zurückhält. Steigt der Blutdruck dagegen zu stark, scheiden die Nieren vermehrt Salz und Wasser aus. Das Blutvolumen sinkt, die Gefäße werden entlastet. Ein fein abgestimmtes System, das ständig nachjustiert.

Wenn das Gleichgewicht kippt: Stress, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel und natürliche Alterungsprozesse können dieses Zusammenspiel aus dem Takt bringen. Steigt der Blutdruck dauerhaft an, leiden besonders die feinen Gefäße, auch die der Nieren selbst. Ein Teufelskreis kann entstehen: Bluthochdruck schädigt die Nieren, geschädigte Nieren regulieren den Blutdruck schlechter. Genau deshalb ist alles, was Gefäße und Blutdruck unterstützt, indirekt auch ein Geschenk an deine Nieren.

Lächelnde Frau beim Spaziergang, zeigt Vitalität; regelmäßiger Rote-Bete-Konsum unterstützt Herz-Kreislauf und Nieren.

Rote Bete und Nieren – wie die Wirkung entsteht

Rote Bete greift nicht direkt in das hormonelle System der Nieren ein. Stattdessen setzt sie an einem anderen Hebel an: an der Elastizität der Gefäße. Im Fokus stehen dabei zwei Wirkstoffgruppen, die in der Forschung intensiv untersucht wurden.

Inhaltsstoffe Rote Bete

Anorganische Nitrate

Vorstufe von Stickstoffmonoxid, kann die Gefäße entspannen und zu einem normalen Blutdruck beitragen.

Betalaine

Pflanzenfarbstoffe mit antioxidativen Eigenschaften, können das Endothel vor oxidativem Stress schützen.

Der Nitrat-Stickstoffmonoxid-Weg


Die in Rote Bete enthaltenen Nitrate sind der Schlüssel zur kardiovaskulären Wirkung. Schon im Mund machen sich spezielle Bakterien an die Arbeit und wandeln Nitrat zu Nitrit um. Im weiteren Verlauf entsteht daraus Stickstoffmonoxid, ein körpereigener Botenstoff, der man sich wie einen Türöffner für die Gefäße vorstellen kann.

Stickstoffmonoxid wirkt entspannend auf die glatte Muskulatur der Gefäßwände. Die Adern weiten sich, der Blutfluss verbessert sich, der Druck im Gefäßsystem kann sinken. Studien deuten darauf hin, dass dieser Mechanismus messbare Effekte auf den Blutdruck haben kann (1,2).

Frische Rote Bete Knollen, reich an Nitraten und Betalainen, fördern die Gefäßelastizität und Nierengesundheit.

Betalaine als zellulärer Schutz

Die intensive rote Farbe der Knolle ist auf Betalaine zurückzuführen. Diese Pflanzenfarbstoffe weisen antioxidative Eigenschaften auf und können freie Radikale im Körper abfangen (3). Oxidativer Stress steht dabei im Zusammenhang mit zellulären Belastungen in verschiedenen Geweben, einschließlich der Gefäße.


Zudem gibt es Hinweise darauf, dass eine regelmäßige Nitratzufuhr mit Veränderungen des Blutdrucks in Verbindung steht und die Gefäßfunktion beeinflussen kann, unter anderem im Hinblick auf die Elastizität der Arterien und die Funktion des Endothels (4). Diese Mechanismen betreffen grundsätzlich auch die kleinsten Gefäße, etwa in der Niere.

Oxalsäure in Rote Bete – berechtigte Sorge oder Mythos?

Kommen wir zum kritischen Punkt. Rote Bete enthält Oxalsäure, eine natürliche Pflanzensäure, die in den Verdacht geraten ist, Nierensteine zu begünstigen. Was ist dran an dieser Sorge?


Oxalsäure kann sich im Urin mit Calcium zu Kristallen verbinden. Aus diesen Kristallen können Calciumoxalatsteine entstehen – die häufigste Form von Nierensteinen. Rund 70 bis 80 Prozent aller Nierensteine bestehen aus diesem Material. Doch Oxalat ist nur einer von mehreren Risikofaktoren. Genauso wichtig sind die Flüssigkeitszufuhr, die Calciumaufnahme über die Nahrung, genetische Veranlagung und der Lebensstil insgesamt.

Frische Rote Bete mit einer Flasche Rote-Bete-Saft, Symbol für  Gesundheit.

Für wen ist Vorsicht angebracht?

Für gesunde Erwachsene mit normaler Nierenfunktion ist eine moderate Portion Rote Bete in der Regel unbedenklich.


Vorsichtig sollen diese Personengruppen sein: 

  • Du hattest bereits Calciumoxalat-Nierensteine
  • Bei dir wurde eine erhöhte Oxalatausscheidung im Urin festgestellt
  • Du hast eine chronische Nierenerkrankung
  • Du nimmst Medikamente, die die Oxalataufnahme beeinflussen

In diesen Fällen ist es ratsam, Menge und Zubereitungsform mit deiner Ärztin oder deinem Arzt abzusprechen. Komplett verzichten musst du meist nicht, aber bewusst auswählen.

Praxis-Tipps für deinen Alltag

Mit ein paar einfachen Strategien kannst du die wertvollen Inhaltsstoffe der Roten Bete nutzen und gleichzeitig den Oxalsäuregehalt im Blick behalten.

Tipps zur Oxalsäure-Reduktion

Kochen statt roh verzehren

Beim Garen in Wasser geht ein Teil der Oxalsäure in das Kochwasser über. Wichtig: Das Kochwasser anschließend abgießen und nicht weiterverwenden.

Mit Calcium kombinieren

Calcium bindet Oxalat bereits im Darm, sodass weniger davon in den Urin gelangt. Ein Klecks Joghurt zur Rote-Bete-Mahlzeit, ein Stück Käse oder ein calciumreiches Mineralwasser sind sinnvolle Kombinationen.

Ausreichend trinken

Zwei bis 2,5 Liter Wasser täglich verdünnen den Urin und senken die Konzentration steinbildender Substanzen.

Fermentierte Varianten wählen

Milchsäurebakterien können einen Teil der Oxalsäure während der Fermentation abbauen. Fermentierte Rote-Bete-Produkte sind dadurch oft besser verträglich.

Vielfalt im Speiseplan

Wer Rote Bete mit oxalatarmen Gemüsesorten kombiniert, hält die Gesamtaufnahme niedrig. Eine Rote-Bete-Spinat-Kombination wäre nicht ideal.

Langsam steigern

Wer Rote Bete neu in die Ernährung integriert, kann mit kleineren Portionen beginnen und schrittweise erhöhen.

Unsere Empfehlung

Fazit

Rote Bete und Nieren stehen in einem überraschend direkten Zusammenhang. Über den Weg der Stickstoffmonoxid-Bildung kann die Knolle die Gefäße entspannen und zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks beitragen. Da dauerhaft erhöhter Blutdruck die feinen Nierengefäße belasten kann, profitiert die Filterzentrale indirekt mit.


Die Sorge vor der Oxalsäure ist nicht völlig unbegründet, aber für die meisten Menschen weniger dramatisch als oft angenommen. Wer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtet, Calcium zur Mahlzeit kombiniert und gelegentlich auf fermentierte Varianten zurückgreift, kann die Vorteile der Roten Bete in der Regel ohne Bedenken nutzen.

Kann Rote Bete die Nierenfunktion unterstützen?

Rote Bete enthält Nitrat, das im Körper zu Stickstoffmonoxid umgewandelt wird. Dieser Botenstoff wird in Studien im Zusammenhang mit einer normalen Gefäßfunktion untersucht, was indirekt auch für die Nierendurchblutung relevant sein kann.

Kann Rote Bete den Blutdruck beeinflussen?

Studien deuten darauf hin, dass Rote-Bete-Saft mit Veränderungen des Blutdrucks einhergehen kann. Verantwortlich dafür ist vor allem der Nitrat-Stickstoffmonoxid-Stoffwechselweg.

Wie hängt der Blutdruck mit den Nieren zusammen?

Die Nieren sind an der Regulation von Blutvolumen und Gefäßdruck beteiligt. Veränderungen im Blutdruck können daher auch die Nierenfunktion langfristig beeinflussen.

Ist Oxalsäure aus Roter Bete gefährlich für die Nieren?

Oxalsäure kann bei empfindlichen Personen zur Bildung von Calciumoxalat beitragen. Für gesunde Menschen ist die Aufnahme über die Ernährung in üblichen Mengen jedoch meist unproblematisch.

Wie viel Rote Bete ist im Alltag sinnvoll?

Es gibt keine feste Empfehlung. In Studien werden häufig regelmäßige, moderate Mengen verwendet. Entscheidend ist eine insgesamt ausgewogene Ernährung.

Kann Rote-Bete-Saft die Nierendurchblutung beeinflussen?

Durch die Bildung von Stickstoffmonoxid kann es zu einer Erweiterung der Blutgefäße kommen. Dies wird in der Forschung auch im Zusammenhang mit der Durchblutung untersucht.

Sind fermentierte Rote-Bete-Produkte besser verträglich für die Nieren?

Fermentierte Varianten können einen reduzierten Oxalatgehalt aufweisen. Dadurch werden sie von manchen Menschen als gut verträglich wahrgenommen, insbesondere bei empfindlicher Ernährungssituation.

Referenzen zum Nachlesen
  1. Grönroos R, Eggertsen R, Bernhardsson S, Praetorius Björk M. Effects of beetroot juice on blood pressure in hypertension according to European Society of Hypertension Guidelines: A systematic review and meta-analysis. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2024;34(10):2240–2256. doi: 10.1016/j.numecd.2024.06.009.
  2. Kapil V, Khambata RS, Robertson A, Caulfield MJ, Ahluwalia A. Dietary Nitrate Provides Sustained Blood Pressure Lowering in Hypertensive Patients: A Randomized, Phase 2, Double-Blind, Placebo-Controlled Study. Hypertension. 2015;65(2):320–327. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.114.04675.
  3. Chen L, Zhu Y, Hu Z, Wu S, Jin C. Beetroot as a functional food with huge health benefits: Antioxidant, antitumor, physical function, and chronic metabolomics activity. Food Sci Nutr. 2021;9(11):6406–6420. doi: 10.1002/fsn3.2577.
  4. Jackson JK, Patterson AJ, MacDonald-Wicks LK, Oldmeadow C, McEvoy MA. The role of inorganic nitrate and nitrite in cardiovascular disease risk factors: a systematic review and meta-analysis of human evidence. Nutr Rev. 2018;76(5):348–371. doi: 10.1093/nutrit/nuy005.
  5. Benjamim CJR, Porto AA, Valenti VE, Sobrinho ACdS, Garner DM, Gualano B, Bueno Júnior CR. Nitrate Derived From Beetroot Juice Lowers Blood Pressure in Patients With Arterial Hypertension: A Systematic Review and Meta-Analysis. Front Nutr. 2022;9:823039. doi: 10.3389/fnut.2022.823039.
  6. Bahadoran Z, Mirmiran P, Kabir A, Azizi F, Ghasemi A. The Nitrate-Independent Blood Pressure–Lowering Effect of Beetroot Juice: A Systematic Review and Meta-Analysis. Adv Nutr. 2017;8(6):830–838. doi: 10.3945/an.117.016717.

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