Bluthochdruck entwickelt sich häufig über Jahre hinweg, ohne dass Betroffene etwas davon spüren. Gleichzeitig wächst das Interesse an natürlichen Ansätzen, die das Herz-Kreislauf-System im Alltag begleiten können. Die Rote Bete ist in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Forschungsliebling geworden.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die Wissenschaft über Rote Bete und Blutdruck herausgefunden hat, welche Mechanismen dahinterstecken und worauf du beim regelmäßigen Verzehr achten solltest.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
Rote Bete liefert besonders viel Nitrat – ein Stoff, der in Studien intensiv im Zusammenhang mit der Gefäßfunktion und dem Blutdruck untersucht wird
Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass der Verzehr von Rote Bete mit Veränderungen der Blutdruckwerte einhergehen kann
Fermentierte Rote-Bete-Konzentrate enthalten deutlich weniger Oxalsäure und eignen sich daher besser für die langfristige Einnahme
Warum Bluthochdruck zur Volkskrankheit geworden ist
Erhöhte Blutdruckwerte gehören heute zu den am häufigsten diagnostizierten Gesundheitsproblemen weltweit. In Deutschland ist statistisch betrachtet etwa jeder dritte Erwachsene betroffen – Tendenz steigend (1). Fachleute führen diese Entwicklung vor allem auf unseren modernen Lebensstil zurück.
Vier Bereiche stehen dabei im Fokus:
- Chronischer Stress und Schlafdefizite, die das vegetative Nervensystem dauerhaft anspannen
- Salzreiche, stark verarbeitete Ernährung mit wenig frischen Pflanzenstoffen
- Mangel an wichtigen Mikronährstoffen sowie Belastungen durch Umweltgifte
- Bewegungsarmut in Kombination mit Übergewicht
Wirken diese Faktoren über Jahre zusammen, verlieren die Arterien schleichend an Elastizität. Sie können weniger flexibel auf Druckschwankungen reagieren. Der Bluthochdruck baut sich dabei oft völlig unbemerkt auf. Häufig fällt der erhöhte Blutdruck erst bei einer Routinemessung beim Arzt auf.
Was sind Blutdruck-Normalwerte?
Bevor wir tiefer in die Wirkung der Roten Bete einsteigen, lohnt ein kurzer Blick auf die Frage: Was gilt überhaupt als normaler Blutdruck? Die Werte werden in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen und in zwei Zahlen angegeben – dem systolischen (oberen) und dem diastolischen (unteren) Wert.
Die aktuellen Orientierungswerte der Fachgesellschaften:
- Optimaler Blutdruck: unter 120/80 mmHg
- Normaler Blutdruck: 120–129 / 80–84 mmHg
- Hochnormaler Blutdruck: 130–139 / 85–89 mmHg
- Bluthochdruck (Hypertonie) Grad 1: 140–159 / 90–99 mmHg
- Bluthochdruck Grad 2: 160–179 / 100–109 mmHg
- Bluthochdruck Grad 3: ab 180 / ab 110 mmHg
Wichtig zu wissen: Ein einmalig gemessener erhöhter Blutdruck bedeutet noch keine Hypertonie. Erst wenn die Werte bei mehreren Messungen in Ruhe dauerhaft über 140/90 mmHg liegen, sprechen Mediziner von Bluthochdruck. Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf natürlich – durch Bewegung, Stress, Kaffeekonsum oder Tageszeit. Für eine verlässliche Einordnung sind deshalb mehrere Messungen unter ruhigen Bedingungen entscheidend.
Der Teufelskreis aus Diagnose und Stress
Steht plötzlich die Diagnose Bluthochdruck im Raum, kommt zur körperlichen Belastung oft eine emotionale hinzu. Die Sorge vor Herzinfarkt oder Schlaganfall ist verständlich – aber sie ist selbst ein Risikofaktor. Denn anhaltender Stress kann die Gefäße zusätzlich verengen und den Blutdruck weiter nach oben treiben.
Die gute Nachricht: Dieser Kreislauf lässt sich durchbrechen. Der menschliche Organismus bleibt bis ins hohe Alter erstaunlich anpassungsfähig. Schon moderate Veränderungen bei Ernährung, Bewegung und Stressmanagement können den Blutdruck positiv beeinflussen.
Welche Faktoren steuern den Blutdruck?
Um zu verstehen, warum Alltagsgewohnheiten so stark ins Gewicht fallen, lohnt ein Blick auf die Regulation des Blutdrucks. Ernährung, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum und psychische Belastung wirken kontinuierlich auf das System ein (1, 2).
Ein kurzfristiger Anstieg des Blutdrucks bei körperlicher Anstrengung ist dabei völlig normal und sogar erwünscht – er sorgt dafür, dass die Muskulatur ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Problematisch wird es erst, wenn der Druck auch in Ruhephasen dauerhaft erhöht bleibt. In diesem Fall sprechen Mediziner von einem kardiovaskulären Risikofaktor (3).
Bluthochdruck zählt zu den Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann zusätzlich Nierenfunktion, Vorhofflimmern, kognitive Leistungsfähigkeit und das Schlaganfallrisiko beeinflussen (4).
Welche Folgen hat dauerhaft hoher Blutdruck?
Bleibt der Blutdruck über Jahre erhöht, hinterlässt das Spuren, vor allem an zwei Stellen im Körper:
- In den Gefäßen kann sich eine Arteriosklerose entwickeln. Diese Gefäßverkalkung erhöht das Risiko für schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich. Statistiken zeigen, dass fast jeder zweite Schlaganfall mit einem unbehandelten Bluthochdruck in Verbindung steht.
- Am Herzen selbst führt der konstante Mehraufwand häufig zu einer Verdickung des Herzmuskels. Im fortgeschrittenen Alter werden zudem Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck und nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit diskutiert (5).
Genau hier setzt der Gedanke einer gefäßfreundlichen Ernährung an. Bestimmte pflanzliche Lebensmittel enthalten Stoffe, die in der Forschung mit einer Entspannung der Blutgefäße in Verbindung gebracht werden. Die Rote Bete zählt dabei zu den am intensivsten untersuchten Vertretern.
Was die Forschung über Rote Bete und Blutdruck zeigt
Die Knolle enthält eine bemerkenswerte Kombination wertvoller Inhaltsstoffe: Vitamin C, Beta-Carotin und Folsäure gehören dazu (6). Das eigentliche Ausnahmemerkmal ist jedoch ihr außergewöhnlich hoher Gehalt an Nitrat – schon eine kleine Portion deckt mehr ab, als die meisten Menschen über den gesamten Tag aufnehmen.
Genau diese Stickstoffverbindung steht im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit, wenn es um Blutdruck geht.
Der zentrale Akteur: Stickstoffmonoxid
Die Innenwand jedes Blutgefäßes ist mit einer hauchdünnen Zellschicht ausgekleidet, dem sogenannten Endothel (7). Diese Schicht ist alles andere als passiv. Sie produziert ständig Botenstoffe – und einer der wichtigsten ist Stickstoffmonoxid (NO).
Stickstoffmonoxid funktioniert dabei wie ein körpereigener Entspannungsschalter für die Gefäße. Sobald das Endothel NO freisetzt, lockert sich die umliegende Gefäßmuskulatur. Die Gefäße werden weiter, das Blut fließt freier, und der Blutdruck im System kann sinken. Dieser Prozess läuft bei einem gesunden Menschen rund um die Uhr ab (8).
Und hier kommt die Rote Bete ins Spiel:
- Nach dem Verzehr wandeln bestimmte Bakterien im Mundraum einen Teil des aufgenommenen Nitrats in Nitrit um.
- Aus diesem Nitrit entsteht im weiteren Stoffwechselverlauf jenes Stickstoffmonoxid, das die Gefäße entspannen kann (8).
- Übrigens ein interessanter Nebenaspekt: Antibakterielle Mundspülungen können diesen ersten Umwandlungsschritt stören, weil sie die beteiligten Mundbakterien abtöten.
Eine funktionierende NO-Produktion gilt als ein wichtiger Faktor für gesunde Gefäße (9).
Warum dieser Weg mit dem Alter wichtiger wird
Die körpereigene Produktion von Stickstoffmonoxid lässt mit zunehmendem Alter nach. Chronische Entzündungsprozesse und oxidativer Stress bremsen das verantwortliche Enzym zusätzlich. Statistisch zeigt sich das deutlich: Das Risiko für Bluthochdruck nimmt mit den Lebensjahren spürbar zu.
Die spannende Erkenntnis aus der Forschung: Nahrungsnitrat liefert dem Körper einen alternativen Weg, NO zu bilden – ganz unabhängig vom altersbedingt nachlassenden Enzym (10). Genau das macht Rote Bete für Menschen, die sich für ihren Blutdruck interessieren, so spannend.
Was Studien über die Wirkung auf den Blutdruck berichten
Wer regelmäßig Rote Bete konsumiert, hebt seinen Nitratspiegel im Blut deutlich an. Die Endothelzellen haben dadurch mehr Ausgangsmaterial zur Verfügung, um Stickstoffmonoxid zu bilden. Erste messbare Veränderungen des Blutdrucks wurden in Untersuchungen bereits zwei bis drei Stunden nach dem Verzehr beobachtet.
Mehrere Meta-Analysen, die Dutzende klinische Studien zusammengefasst haben, weisen darauf hin, dass der Verzehr von Roter Bete mit Veränderungen der Blutdruckwerte verbunden sein kann (11, 12). Interessant ist zudem, dass in einigen Studien auch nitratreduzierter Rote-Bete-Saft Veränderungen der Blutdruckwerte zeigte (13). Dies deutet darauf hin, dass neben Nitrat möglicherweise auch weitere Inhaltsstoffe der Roten Bete eine Rolle spielen könnten.
Neben Nitrat enthält die Knolle nämlich zwei weitere interessante Verbindungen:
Betain und Homocystein-Stoffwechsel ▼
Betain wird in der Forschung mit dem Homocystein-Stoffwechsel in Verbindung gebracht (14, 15). Erhöhte Homocystein-Werte gelten als eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor, der auch im Zusammenhang mit dem Blutdruck diskutiert wird (16).
Betanin und oxidativer Stress ▼
Betanin, der charakteristische rote Farbstoff der Knolle, zeigt antioxidative Eigenschaften und kann zum Schutz von Zellstrukturen vor oxidativem Stress beitragen – einem Prozess, der für die Gefäßalterung eine Rolle spielt.
Das Oxalsäure-Problem bei häufigem Verzehr
So wertvoll die Inhaltsstoffe der Roten Bete sind – die Knolle bringt einen Aspekt mit, den man kennen sollte: Sie enthält relativ viel Oxalsäure. Diese Säure kann sich im Körper mit Calcium verbinden und im ungünstigen Fall die Bildung von Nierensteinen begünstigen.
Nierensteine sind nicht nur eine unangenehme Erfahrung. Langfristig kann eine eingeschränkte Nierenfunktion auch die Gefäßgesundheit beeinflussen – und damit indirekt auch den Blutdruck (17). Wer regelmäßig größere Mengen frische Rote Bete verzehrt oder bereits zu Nierensteinen neigt, sollte diesen Punkt im Blick behalten.
Fermentation als clevere Lösung
An dieser Stelle wird die Fermentation interessant. Bei diesem traditionellen Verfahren übernehmen Milchsäurebakterien einen Großteil der Arbeit. Sie bauen einen erheblichen Anteil der Oxalsäure ab – ohne dass die wertvollen Inhaltsstoffe nennenswert leiden (18). Nitrat, Betain und Betanin bleiben weitgehend erhalten.
Das Ergebnis ist ein Konzentrat mit hoher Wirkstoffdichte und deutlich reduzierter Belastung für die Nieren. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Durch die Säurereduktion wird der Geschmack deutlich milder. Die enthaltenen Milchsäurebakterien können nebenbei das Mikrobiom im Darm unterstützen.
Unsere Empfehlung
Fazit
Die Rote Bete hat sich in den letzten Jahren von einem traditionellen Gemüse zu einem ernstzunehmenden Forschungsobjekt entwickelt. Ihr hoher Nitratgehalt liefert dem Körper Baumaterial für die Bildung von Stickstoffmonoxid – jenem Botenstoff, der die Gefäße entspannen kann und damit auch den Blutdruck beeinflusst. Ergänzt wird dieser Effekt durch Betain und Betanin, die weitere gefäßrelevante Eigenschaften zeigen. Für die regelmäßige Anwendung über längere Zeiträume bieten fermentierte Konzentrate einen klaren Vorteil: Sie kombinieren hohe Wirkstoffdichte mit deutlich reduzierter Oxalsäurelast. Wer seine Gefäße und seinen Blutdruck im Alltag unterstützen möchte, findet in der Roten Bete einen wissenschaftlich gut untersuchten Begleiter.
Ab wann spricht man von Bluthochdruck?
Welche Faktoren können den Blutdruck beeinflussen?
Der Blutdruck wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu zählen unter anderem Ernährung, Bewegung, Stress, Schlaf, Körpergewicht, Alkohol- und Nikotinkonsum sowie das Alter.Von Bluthochdruck sprechen Fachleute, wenn die Blutdruckwerte dauerhaft erhöht sind. Einzelne erhöhte Messungen reichen für eine Diagnose jedoch nicht aus, da der Blutdruck im Alltag natürlichen Schwankungen unterliegt.
Welche Faktoren können den Blutdruck beeinflussen?
Der Blutdruck wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu zählen unter anderem Ernährung, Bewegung, Stress, Schlaf, Körpergewicht, Alkohol- und Nikotinkonsum sowie das Alter.
Warum bleibt Bluthochdruck oft lange unbemerkt?
Erhöhte Blutdruckwerte verursachen häufig über viele Jahre keine eindeutigen Beschwerden. Deshalb wird Bluthochdruck oft erst bei Routineuntersuchungen festgestellt.
Warum wird Rote Bete im Zusammenhang mit Bluthochdruck erforscht?
Rote Bete enthält besonders viel Nitrat. Dieser natürliche Pflanzenstoff wird wissenschaftlich intensiv untersucht, weil er im Körper an der Bildung von Stickstoffmonoxid beteiligt ist – einem Botenstoff, der für die Gefäßfunktion relevant ist.
Kann Rote Bete den Blutdruck beeinflussen?
Studien und Meta-Analysen zeigen, dass der Verzehr von Rote Bete mit Veränderungen der Blutdruckwerte einhergehen kann. Die Ergebnisse beziehen sich auf wissenschaftliche Untersuchungen und ersetzen keine medizinische Behandlung.
Warum wird fermentierte Rote Bete häufig empfohlen?
Durch die Fermentation kann der natürliche Oxalsäuregehalt reduziert werden. Gleichzeitig bleiben wichtige Inhaltsstoffe wie Nitrat und Betain weitgehend erhalten. Das macht fermentierte Produkte für viele Menschen alltagstauglicher.
Ist Rote Bete eine Alternative zu Blutdruckmedikamenten?
Nein. Rote Bete ist ein Lebensmittel und keine Therapie. Wissenschaftliche Studien untersuchen mögliche Zusammenhänge mit Blutdruckwerten, ersetzen jedoch keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
Referenzen zum Nachlesen
- Hoher Blutdruck: Ein Thema für alle. Robert Koch-Institut.
- Niedriger Blutdruck nach Sport. Deutsche Herzstiftung.
- Krüger K. Therapie kardiovaskulärer Risikofaktoren. Z Rheumatol. 2016;75:173–182.
- Fuchs FD, Whelton PK. High Blood Pressure and Cardiovascular Disease. Hypertension. 2020;75(2):285–292.
- Reimers CD, Völker K. Bluthochdruck (arterielle Hypertonie). In: Reimers C, Straube A, Völker K (Hrsg.). Patienteninformationen Sport in der Neurologie. Springer, Berlin, Heidelberg, 2018.
- Hack D. Rote Bete: Superfood für Herz und Gefäße. Carstens-Stiftung, 2016.
- Cong L. Bluthochdruck. In: Chinesische psychosomatische Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg, 2015.
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- Bahadoran Z, Mirmiran P, Kabir A, Azizi F, Ghasemi A. The Nitrate-Independent Blood Pressure-Lowering Effect of Beetroot Juice: A Systematic Review and Meta-Analysis. Adv Nutr. 2017;8(6):830–838.
- Chrysant SG, Chrysant GS. The current status of homocysteine as a risk factor for cardiovascular disease: a mini review. Expert Rev Cardiovasc Ther. 2018;16(8):559–565.
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