Die Artischocke gehört zu den klassischen Pflanzen des Mittelmeerraums und trotzdem steckt hinter ihr mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Schon seit Jahrhunderten wird sie nicht nur als Gemüse genutzt, sondern auch in der traditionellen Pflanzenkunde beschrieben. Besonders interessant ist dabei, dass unterschiedliche Pflanzenteile jeweils eine eigene Geschichte haben.
Wie genau die Artischocke verwendet wurde, wo sie ihren Ursprung hat und warum sie bis heute so häufig Thema ist, schauen wir uns im folgenden Beitrag genauer an.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
Die Artischocke stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wird seit Jahrhunderten genutzt.
Verwendet werden vor allem die Blütenknospe als Gemüse und die Blätter in der Pflanzenkunde.
Besonders die Blätter enthalten charakteristische sekundäre Pflanzenstoffe wie Bitterstoffe und Flavonoide.
Traditionell wird die Artischocke häufig im Zusammenhang mit Verdauung und Gallenfunktion beschrieben.
Eine Pflanze mit Geschichte: Traditionelle Nutzung der Artischocke
Die Artischocke (Cynara cardunculus var. scolymus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Bereits seit Jahrhunderten wird sie sowohl als Gemüse als auch als traditionelle Nutzpflanze geschätzt. Von ihrer ursprünglichen Heimat aus verbreitete sie sich nach und nach in vielen Regionen Europas und fand ihren festen Platz in Küche und Garten (1).
Charakteristisch für die Artischocke sind ihre großen, tief eingeschnittenen Blätter sowie die markante, distelartige Blütenknospe. Geerntet wird diese Knospe noch vor dem Aufblühen. Verzehrt werden vor allem die fleischigen unteren Bereiche der Hüllblätter sowie der zarte Blütenboden, der als Artischockenherz bekannt ist. Je nach Sorte und Reifestadium können auch weitere Pflanzenteile genutzt werden.
Während die Knospe vor allem als Lebensmittel geschätzt wird, stehen in der Pflanzenkunde insbesondere die Blätter der Artischocke im Mittelpunkt. Aus ihnen werden Extrakte gewonnen, die bereits seit langer Zeit verwendet werden. In der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde kam die Artischocke vor allem im Zusammenhang mit Verdauungsbeschwerden und der Gallenfunktion zum Einsatz (2).
Cynarin, Bitterstoffe & Co.: Was die Artischocke besonders macht
Die Artischocke enthält eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenstoffe, die in den vergangenen Jahren verstärkt wissenschaftlich untersucht wurden. Dabei unterscheidet sich die Zusammensetzung je nach Pflanzenteil deutlich: Während die Artischockenherzen vor allem als Lebensmittel geschätzt werden, stehen für die Forschung insbesondere die Blätter im Fokus. Sie enthalten hohe Konzentrationen verschiedener sekundärer Pflanzenstoffe, die für die diskutierte Artischocke Wirkung von besonderem Interesse sind.
Sekundäre Pflanzenstoffe
Zu den bekanntesten Inhaltsstoffen der Artischocke zählt Cynarin. Diese Verbindung gehört zur Gruppe der Kaffeesäure-Derivate und kommt vor allem in den Blättern der Pflanze vor. In den essbaren Artischockenherzen ist der Gehalt deutlich geringer.
Neben Cynarin enthält die Artischocke weitere charakteristische Pflanzenstoffe:
- Chlorogensäure und verwandte Kaffeesäure-Derivate
- Flavonoide wie Luteolin
- Bitterstoffe, insbesondere Cynaropikrin, die für den typisch herb-bitteren Geschmack der Artischocke verantwortlich sind (3).
Neben den sekundären Pflanzenstoffen liefert die Artischocke auch wertvolle Nährstoffe. Sie enthält Ballaststoffe sowie verschiedene Vitamine und Mineralstoffe, darunter Folat, Vitamin K, Kalium und Magnesium (4). Damit ist die Artischocke nicht nur wegen ihrer speziellen Pflanzenstoffe interessant, sondern auch als Bestandteil einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung.
Artischocke und Artischockenextrakt: Wo liegt der Unterschied?
Für die Bewertung der Artischocke Wirkung ist es wichtig, zwischen der frischen Pflanze und konzentrierten Extrakten zu unterscheiden. Die als Gemüse verzehrte Artischocke liefert vor allem Ballaststoffe und Mikronährstoffe. Die Mengen an Cynarin und anderen sekundären Pflanzenstoffen sind dagegen vergleichsweise moderat.
Artischockenextrakte werden überwiegend aus den Blättern gewonnen. Da diese deutlich höhere Konzentrationen bioaktiver Verbindungen enthalten, liegen die Inhaltsstoffe im Extrakt in konzentrierter Form vor. Aus diesem Grund werden in wissenschaftlichen Studien häufig standardisierte Artischockenextrakte untersucht und nicht die frische Artischocke selbst.
Artischocke und Verdauung: Die Rolle der Bitterstoffe
Wenn von der Artischocke Wirkung die Rede ist, fällt häufig auch das Stichwort Verdauung. Der Grund dafür liegt vor allem in den Bitterstoffen, die zu den charakteristischen Inhaltsstoffen der Pflanze gehören. Bitterstoffe werden in der traditionellen Pflanzenkunde seit Jahrhunderten geschätzt und häufig im Zusammenhang mit dem Verdauungswohlbefinden eingesetzt.
Insbesondere Extrakte aus Artischockenblättern werden traditionell bei dyspeptischen Beschwerden verwendet. Dazu zählen beispielsweise Völlegefühl, Blähungen oder ein unangenehmes Druckgefühl nach dem Essen. Diese traditionelle Anwendung der Artischocke ist gut dokumentiert und bildet die Grundlage für zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen (5).
Die Verbindung zwischen Artischocke und Galle
Im Zusammenhang mit der Verdauung spielt auch die Galle eine wichtige Rolle. Sie wird benötigt, um Nahrungsfette im Darm zu verarbeiten und für die weitere Verdauung vorzubereiten. Da die Bitterstoffe der Artischocke traditionell mit der Gallentätigkeit in Verbindung gebracht werden, rückte die Pflanze schon früh in den Fokus der Pflanzenheilkunde.
Warum die Leber eine zentrale Rolle spielt
Die enge Verbindung zwischen Galle und Leber erklärt auch, warum die Artischocke häufig im Zusammenhang mit der Lebergesundheit erwähnt wird. Schließlich wird die Galle in der Leber gebildet und anschließend über die Gallenwege in den Darm abgegeben.
Aus diesem Grund beschäftigt sich die moderne Forschung nicht nur mit der Rolle der Artischocke für die Verdauung, sondern auch mit der Frage, ob sich einige der traditionell beschriebenen Zusammenhänge rund um Galle und Leber wissenschaftlich nachvollziehen lassen (6-8).
So lässt sich die Artischocke im Alltag verwenden
Die Artischocke ist vielseitig einsetzbar und kann sowohl als Lebensmittel in der Küche als auch in konzentrierter Form als Nahrungsergänzungsmittel genutzt werden. Welche Form geeignet ist, hängt vor allem davon ab, ob der Genuss als Gemüse oder der gezielte Einsatz bestimmter Pflanzenstoffe im Vordergrund steht.
Die gängigen Formen im Überblick
Frische Artischocke ▼
Die ganze Knospe wird meist gekocht, gedünstet oder gegrillt. Besonders beliebt sind die zarten Blattenden sowie der sogenannte Blütenboden.
Artischockenherzen ▼
Der innere, besonders weiche Teil der Knospe gilt als Delikatesse und wird häufig in Salaten, Antipasti oder Pastagerichten verwendet – frisch zubereitet oder eingelegt.
Artischockentee ▼
Wird aus getrockneten Artischockenblättern zubereitet und zeichnet sich durch seinen typisch bitteren Geschmack aus.
Artischockenextrakt ▼
Eine konzentrierte Form, die aus den Blättern gewonnen wird und die enthaltenen bioaktiven Pflanzenstoffe in gebündelter Form liefert.
Artischocken Kapseln und Tabletten ▼
Eine praktische Darreichungsform von standardisierten Extrakten, die eine einfache und gut dosierbare Einnahme ermöglicht.
Artischocke als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel?
Bei der Verwendung ist es sinnvoll, zwischen Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel zu unterscheiden. Die frische Artischocke dient in erster Linie als Gemüse und bereichert die Ernährung durch Geschmack, Ballaststoffe und natürliche Pflanzenstoffe.
Nahrungsergänzungsmittel wie Artischocken Kapseln oder standardisierte Extrakte enthalten hingegen definierte Mengen an Inhaltsstoffen. Dadurch lässt sich der Gehalt bestimmter Pflanzenstoffe besser vergleichen und kontrolliert zuführen.
Wichtige Hinweise zur Anwendung: Bei Nahrungsergänzungsmitteln sollten stets die Angaben des Herstellers zur Dosierung beachtet werden. Bei bestehenden Erkrankungen sowie während Schwangerschaft und Stillzeit oder bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten ist eine vorherige Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal empfehlenswert.
Artischocke: Rezeptidee
Fazit
Die Artischocke ist weit mehr als ein mediterranes Gemüse. Sie ist eine traditionsreiche Pflanze aus der Familie der Korbblütler, deren Blätter seit Langem in der Pflanzenkunde geschätzt werden. Traditionell wird die Artischocke häufig mit Verdauung, Galle und Leber in Verbindung gebracht und wird heute zunehmend wissenschaftlich untersucht.
Wer die Artischocke in den Alltag integrieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten: von der frischen Zubereitung als Gemüse über Tee bis hin zu Artischockenextrakt oder Artischocken Kapseln. Je nach Form steht dabei entweder der kulinarische Genuss oder die konzentrierte Aufnahme bestimmter Pflanzenstoffe im Vordergrund – stets als Ergänzung im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung und eines bewussten Lebensstils.
Unser Experte
Welche Teile der Artischocke werden verwendet?
Genutzt werden die Blütenknospe sowie der sogenannte Blütenboden (Artischockenherz). In der traditionellen Pflanzenkunde stehen vor allem die Blätter im Fokus.
Welche Inhaltsstoffe der Artischocke stehen im Fokus der Forschung?
Im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen stehen sekundäre Pflanzenstoffe wie Cynarin, Chlorogensäure, Flavonoide sowie Bitterstoffe. Diese kommen vor allem in den Blättern der Pflanze vor.
Welche Rolle spielen Bitterstoffe in der Artischocke?
Bitterstoffe wie Cynaropikrin sind charakteristisch für die Pflanze. Sie werden in der traditionellen Pflanzenkunde seit Langem geschätzt und sind auch Gegenstand moderner Forschung.
Gibt es einen Unterschied zwischen frischer Artischocke und Extrakt?
Ja. Die frische Artischocke wird als Lebensmittel genutzt, während Artischockenextrakte aus den Blättern gewonnen werden und eine höhere Konzentration bestimmter Pflanzenstoffe enthalten.
In welchem Zusammenhang wird die Artischocke häufig erwähnt?
Die Artischocke wird traditionell im Zusammenhang mit Verdauung und Gallenfunktion erwähnt. Diese Zusammenhänge stammen aus der Pflanzenkunde und werden heute teilweise wissenschaftlich weiter untersucht.
Wie kann die Artischocke heute verwendet werden?
Die Artischocke kann als Gemüse, Tee oder in Form von Extrakten und Nahrungsergänzungsmitteln genutzt werden. Dabei unterscheidet man zwischen kulinarischer Nutzung und konzentrierten Pflanzenextrakten.
Referenzen zum Nachlesen
- Lubera Edibles. Artischocken-Jungpflanzen – Portrait & Verwendung. Verfügbar unter: https://www.luberaedibles.com.
- Nestmann Pharma. Die Heilpflanze Artischocke. Verfügbar unter: https://www.nestmann.de
- Ben Salem M, Affes H, Ksouda K, Dhouibi R, Sahnoun Z, Hammami S, Zeghal KM. Pharmacological Studies of Artichoke Leaf Extract and Their Health Benefits. Plant Foods Hum Nutr. 2015;70(4):441–453.
- Zentrum der Gesundheit. Artischockenextrakt: Die Wirkung eines alten Heilmittels. Verfügbar unter: https://www.zentrum-der-gesundheit.de
- European Medicines Agency (HMPC). Community herbal monograph on Cynara cardunculus L. (syn. Cynara scolymus L.), folium. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/cynarae-folium
- Panahi Y, Kianpour P, Mohtashami R, Atkin SL, Butler AE, Jafari R, Badeli R, Sahebkar A. Efficacy of artichoke leaf extract in non-alcoholic fatty liver disease: A pilot double-blind randomized controlled trial. Phytother Res. 2018;32(7):1382–1387.
- Amini MR, Sheikhhossein F, Talebyan A, Bazshahi E, Djafari F, Hekmatdoost A. Effects of Artichoke Supplementation on Liver Enzymes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Clin Nutr Res. 2022;11(3):228–239.
- Xia N, Pautz A, Wollscheid U, Reifenberg G, Förstermann U, Li H. Artichoke, cynarin and cyanidin downregulate the expression of inducible nitric oxide synthase in human coronary smooth muscle cells. Molecules. 2014;19(3):3654–3668.




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