Ehepaar schläft im Bett mit einem Sauerkirschaft-Glas auf dem Nachttisch
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Besser und länger durchschlafen – das soll mithilfe der Montmorency-Sauerkirsche möglich sein. Wie zwei Pflanzenstoffe der nordamerikanischen Kirschsorte zusammenwirken, um unsere Schlafqualität und Schlafdauer zu beeinflussen, entdeckten Wissenschaftler in einer neuen Studie.

Auf der Suche nach einer natürlichen Alternative zu Schlafmitteln untersuchte ein Team aus Ernährungswissenschaftlern um Professor Dr. Jack Losso an der Louisiana State University die Wirkung von Montmorency-Sauerkirschsaft auf den Schlaf. Von dieser Sauerkirschsorte, die im Norden der USA wächst, ist bereits ein hoher Melatonin-Gehalt bekannt, dem die schlaffördernde Wirkung zugeschrieben wird. Dass die Montmorency noch weitere sekundäre Pflanzenstoffe enthält, die die nachweislich verbesserte Schlafqualität erklären könnten, berichteten die Forscher nun in der Fachzeitschrift „American Journal of Therapeutics“.

Saftige Verbesserung der Schlafdauer

Die von Schlaflosigkeit geplagten Teilnehmer der Pilotstudie tranken zwei Wochen lang täglich zwei große Gläser Montmorency-Sauerkirschsaft oder ein Placebo. Von dem Ergebnis können viele nur träumen: Die im Schlaflabor gemessene Schlafdauer der Montmorency-Probanden nahm um 84 Minuten zu. Auch die empfundene Schlafqualität wurde in Fragebögen als deutlich verbessert beschrieben.

Holistisch ist das Stichwort

Dahinter könnte nicht nur das in der Montmorency vorhandene „Schlafhormon“ Melatonin stecken, sondern auch das sogenannte Procyanidin B2. Dieser Gerbstoff, der in vielen Pflanzen für die typisch rot-violette Färbung sorgt, zeigte im Labor eine schützende Wirkung auf die Vorstufen des abendlichen Botenstoffs. Das Procyanidin B2 hemmte ein bestimmtes Enzym, die Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO), das z.B. bei Entzündungen den Melatonin-Rohstoff Tryptophan abbaut. Da Tryptophan eine essentielle Aminosäure ist, d.h. nicht vom Menschen selbst nachgeliefert werden kann, muss sie aus der Nahrung aufgenommen werden. Aus diesem Stoff stellt der Körper dann in mehreren Schritten erst 5-HTP, dann Serotonin, und schließlich Melatonin her. Eine ausreichende Menge an Melatonin wird für einen gesunden Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich gemacht.

Fazit: Ein natürlicher Helfer bei Schlafproblemen

Angesichts der aktuellen Studie, sieht es nun so aus, als wäre es nicht nur das natürliche Melatonin, dass für die schlaffördernde Wirkung verantwortlich ist, sondern auch die Einwirkung auf dessen Vorstufen wie etwa das L-Tryptophan. Damit greifen die pflanzlichen Inhaltsstoffe dieser Sauerkirsch-Sorte auf mehreren biochemischen Ebenen sinnvoll ineinander.

Die neuen Daten sind vielversprechend. Vieles deutet darauf hin, dass es das Zusammenspiel aus natürlichen Pflanzenstoffen der Montmorency Sauerkirsche das Schlafverhalten positiv beeinflussen kann. Damit ließe sich unter Umständen auch erklären, wie es möglich ist, dass die Montmorency mit ihrem Melatoningehalt im Nanogramm-Bereich eine ähnliche gute Wirkung zeigt wie deutlich höher dosierte, synthetische Melatonin-Präparate.


Quelle:

Losso, Jack N. PhD; Finley, John W. PhD; Karki, Namrata PhD; Liu, Ann G. PhD; Prudente, Alfredo PhD; Tipton, Russell MD; Yu, Ying MS; Greenway, Frank L. MD (2017). Pilot Study of the Tart Cherry Juice for the Treatment of Insomnia and Investigation of Mechanisms. American Journal of Therapeutics, doi: 10.1097/MJT.0000000000000584.